Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1967 (unsigniert, vermutl. Ungelenk oder Marr)
 

Coburger „Nestor“ des Pflanzenschutzes
 


Zum 100. Geburtstag von Geheimrat Professor Dr. Otto Appel am 19. Mai (1967)
Wiederholt wurde in den zurückliegenden Jahren berichtet von der Verleihung einer Otto-Appel-Gedenkmünze an in- und ausländische Wissenschaftler, die sich auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes besonders verdient gemacht haben. Diese hohe Auszeichnung ist eine Stiftung zu Ehren des aus Coburg stammenden Nestors des deutschen Pflanzenschutzes, Geheimrat Prof. Dr. Otto Appel. Sie erfolgte 1952 —  anlässlich seines 85. Geburtstages, den er nur kurz überlebte — in Anerkennung der unvergänglichen Verdienste Appels um den Natur- und Landschaftsschutz im allgemeinen, den Pflanzenschutz im Besonderen.
Als anerkannter Pionier des wissenschaftlichen und praktischen Pflanzenschutzes ist Otto Appel zu den bedeutendsten Bürgern unserer Heimatstadt zu zählen. Er entstammt einer seit mehr als drei Jahrhunderten in Coburg ansässigen Familie. Sein Vater war der hochangesehene Kaufmann Ludwig Appel am Markt (im heutigen Geschäftshaus Kaspar). Der Name seines Bruders Max Appel ist mit der Geschichte des Thüringerwald-Vereins untrennbar verbunden. Gehörte dieser doch zu den Schöpfern jenes —  allerdings nur kurzlebigen — Alexandrinenturms auf der Sennigshöhe, auf dessen Fundamenten nach der Sprengung des Aussichtsturms (wegen Baufälligkeit) vor 31 Jahren unsere Alexandrinenhütte    erbaut   worden   ist.    Außerdem war Max Appel lange Jahre Vorsitzender jenes Coburger „Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs",  der als korporatives Mitglied  des  ehemaligen Thüringerwald-Vereins zur Urzelle des 1907 gegründeten Coburger Zweigvereins und damit    unseres    heutigen    Thüringerwald-Vereins wurde.
Vor nunmehr genau 100 Jahren — am 19. Mai 1867 — in Coburg geboren, wählte Otto Appel, nachdem er das Gymnasium Casimirianum absolviert hatte, als Studium das zu jener Zeit einzige Arbeitsgebiet der angewandten Botanik, die Pharmazie. Nach seinem Gehilfenexamen in Jena sowie vorübergehender Tätigkeit in Apolda und Schaffhausen nahm er eine Stellung in der Stadtapotheke Coburg an. Im Alpenverein, im Tier- und Pflanzenschutzverein und im Landwirtschaftlichen Verein hielt er naturwissenschaftliche Vorträge. In seiner wissenschaftlichen Arbeit wurde Otto Appel durch Direktor Ehrhard und Professor Brückner von den hiesigen naturwissenschaftlichen Sammlungen sowie dem Generalsuperintendenten Dr. Kückenthal gefördert. Von Coburg aus schlössen sich Lehr- und Studienjahre an, bis zur Promotion im Jahre 1897. Zwei Jahre später trat
Otto Appel als Hilfsassistent in die neugegründete biologische Abteilung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes ein, wurde 1903 Laboratoriums-vorsteher und Regierungsrat, 1913 Geheimer Regierungsrat, war von 1920 bis zu seiner Pensionierung 1933 Direktor und Präsident der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin.
Appels Lebensarbeit war auf das Ziel ausgerichtet, das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen durch die Verwendung gesunden und widerstandsfähigen Pflanzengutes zu verhindern. Er hat im Jahre 1904 u. a. erstmalig bei der Kartoffel die Blattrollkrankheit in ihrer Auswirkung erkannt. Zahlreiche fachwissenschaftliche Veröffentlichungen künden von seinem Wirken auf dem Gebiete des Pflanzenschutzes.
Den Altmeister des Pflanzenschutzes führten seine Eigenschaften als Präsident der Biologischen Reichsanstalt und Professor der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin wiederholt ins Ausland. Er war allein dreimal in den Vereinigten Staaten und Kanada und hat wohl den gesamten europäischen Kontinent kennen gelernt. In seinem reichen Leben wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. Dreimal verlieh man ihm die Würde eines Ehrendoktors.

Appel-Gedenkausstellung

Ab 7. Mai (Anm.: 1967) im Natur-Museum Das Natur-Museum im Coburger Hofgarten wird dem „Nestor des Pflanzenschutzes" aus Anlaß seines 100. Geburtstages ab 7. Mai eine Gedenkausstellung widmen. Umfangreiche Dokumente, Bildmaterial und wesentliche Arbeiten des Wissenschaftlers werden mit dem Lebenswerk des Coburger Geheimrats Professor Dr. Otto Appel vertraut machen. Wir weisen unsere Leser auf diese Ausstellung besonders hin.