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Aus „Das Farnkraut“, Sonderheft 1966

Auf Rädleins Spuren nach Königsberg

(Anmerkung: dies war noch vor Anlage des heute bekannten “Amtsbotenweges”

Bei idealem Mai-Wetter führte die Emil-Rädlein-Gedächtnis-Wanderung diesmal nach Königsberg, dem Ziel auch jenes „Spaziergangs", den der unvergessene Vereinsgründer anno 1907 unternommen hatte, um in der damals Coburger Enklave das zehnjährige Bestehen des Thüringerwald-Vereins zu feiern. Tambacher Forst, Krebsmühle, Rothof, Hattersdorf, Bischwinder Wald, Lichtensteiner Forst und Pfarrweisach waren Etappenziele der 50-km-Wanderung (plus 8 km „Frühsport" des Einberger Wanderfreundes Schwämmlein jr.), die Klaus Ehrlicher von Coburg aus führte. Zur Mittagsrast hatte die 14-köpfige Gruppe, „mit der unterwegs zu sein eine Freude war" (Ehrlicher), bereits Bischwind am Raueneck erreicht. Einer Nachtischrast in der schweißtriefend erstiegenen Ruine Bramberg folgte nahezu geradewegs der Abstieg durch den wohltuend schattigen Bramberger Wald nach Königsberg, wo es für alle an der Zeit war, „den Wasserhaushalt wieder in Ordnung zu bringen". Beim Aufbruch vom Bramberg gab es freudigen Kontakt mit der zweiten Gruppe Coburger Königsberg-Wanderer, die der Morgenbus nach Ebern gebracht hatte. Nach einem Bummel durch das alte Frankenstädtchen und seine schmucken Ringanlagen mit der Rückert-Gedenkstätte gab ihr Ernst Eckerlein mit dem Wanderspruch „Menschen hinaus ..." von Richard Popp (der einst Rädleins Nachfolger zu werden versprach, im Ersten Weltkrieg aber leider gefallen ist) das Zeichen zum Aufbruch. Sangesfreudig ging es im Blick über das Weisachtal und zurück auf Ebern zunächst zum Haubeberg. Als die 39 Wanderer dort geschlossen über den zugbrückenartigen Zugang in die Ruine Raueneck einzogen, überraschte sie der Gesang des Arnoldschen Liedes „Frischauf, ihr Wanderkameraden", mit dem sie aus Verliestiefe die zuvorgekommene Familie Dötsch begrüßte. Einstündiger Rast im Sonnenschutz des frischgrünen Waldes folgte der Abstieg nach Albersdorf und nach kurzem „Auftankmanöver" dortselbst der gemächliche Direktaufstieg zum Bramberg. Zur Freude der Begegnung mit der Gruppe Ehrlicher kam hier das Amüsement über die unerwartete Konfrontierung eines Coburger Gesetzeshüters mit einem ihm „amtsbekannten" Gesetzesübertreter, dessen peinlich aufgefrischte Erinnerung sich mit den Verlegenheitsworten „Dan Kerl kenne ma doch!" abreagierte. Grund genug zu allgemeiner Heiterkeit, die auf dem zumeist moosigen Waldweg parallel zur Haßberg-Hochstraße auch dann vorhielt, als eine verwirrende Wegspinne vom schattigen Pfad auf die sonnige Bergstraße hinein nach Königsberg ablenkte.
Die gemeinsame Abendeinkehr im Kreise kontaktfreudiger Königsberger Bürger erreichte ihren Höhepunkt, als Bürgermeister Rudolf Mett erschien, um die Gäste willkommen zu heißen. Im Wechsel fröhlicher Tischgespräche, die zu einem
Blick in die Geschichte Königsbergs anregten, wurde die traditionelle Verbundenheit durch Geschenkaustausch bekräftigt.
Bei lebhaften Erinnerungen an Rädleins verdienstvolles Wirken und an seine interessanten Haßberg-Wanderberichte klang das Beisammensein so stimmungsfroh aus, wie der ganze Wandertag (einschließlich der Heimfahrt per Sonderbus) verlaufen ist.