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Coburg Kriegerdenkmal Ernstplatz neu

Oben: Adler auf der Spitze des renovierten Kriegerdenkmals, Inschrift mit dem Namen des Hofbildhauers Scheler ist zu erkennen.

Gehört zu unserer Geschichte

Bei der Restaurierung des Denkmals am Ernstplatz ist die Stadt wohl den richtigen Weg gegangen. Unangemessen wäre die Duldung des Verfalls dieses Denkmals ebenso wie die Wiederherstellung  im einstigen „Glanz und Gloria“ des Baujahres 1874 mit Goldlettern gewesen. („Coburger Tageblatt“ vom 17.12.2013: „Coburgs Preussen-Adler ist zurück“.

Dies ist ganz unabhängig von der „Kriegsschuldfrage“ des Jahres 1870 anzusehen. Ganz sicher ist diese nicht nur einer Seite anzulasten. Wenn im Vorfeld der Entscheidung über die Restaurierung im Stadtrat  behauptet wurde, „dieser Krieg“ (gemeint war 1870-71), „sei von Deutschland ausgegangen“, dann ist dies ganz einfach falsch. Unter anderem hat sich mit dieser Frage Golo Mann auseinandergesetzt, in seinem Buch „Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert (Frankfurt 1958) beispielsweise. Er kommt zu dem Ergebnis, „es sind beide Seiten schuld.“ Immerhin war aber die formelle Kriegserklärung (damals war dies noch üblich)  sowie auch gezielte Provokationen zunächst von Frankreich ausgegangen („Hohenzollernprinz“). Auch scheint dies  Strömungen in bestimmten Schichten der Bevölkerung entsprochen zu haben. Zumindest in den oberen Gesellschaftsschichten sah man sich immer noch als Führungsmacht des kontinentalen Europa und hätte gerne eine Revision der Ergebnisse des „Wiener Kongresses“ gesehen. Noch immer hieß ja der Machthaber Napoleon, wenn auch „nur“ der III.

Andrerseits kam der Krieg Preußen oder genauer: Bismarck sicher nicht ungelegen. Vor allem war Preußen hervorragend darauf vorbereitet.

 

 Auch der „wilhelminische Adler“ gehört zu unserer Geschichte, gerade auch der regionalen.  Herzog Ernst II stand, wenn wir der Darstellung in dem Gemälde von Anton Werner glauben dürfen, bei der Proklamation des neuen Kaiserreiches im Spiegelsaal von Versailles auf dem Podest nahe beim künftigen deutschen Kaiser Wilhelm I.  Er fühlte sich bei dieser Zeremonie vermutlich sogar wohler denn der künftige Kaiser, dem diese Rolle bekanntlich nicht so sehr behagte, wenn man der Geschichtsschreibung trauen kann.1

Zu unserer Geschichte gehören eben auch die  Sedanfeiern, die von 1872 an bis zum Ende des 1. Weltkrieges mit riesigem Aufwand die nationale Begeisterung anheizten, nicht zuletzt auch in Coburg. Bereits 1872 erging hier ein Aufruf mit dem Ziel des Baues  eines Kriegerdenkmals.

Nun hat es derartigen nationalistischen Überschwang damals nicht nur im Deutschen Reich gegeben. Fatal war hierzulande nur das mehr und mehr entwickelte Überlegenheitsgefühl, der Irrglaube, unbesiegbar zu sein. Der Sieg von 1870/71 wurde als leichter wahrgenommen als er es in Wirklichkeit war.

Beispiel: „Coburger Zeitung“ vom 4. 9. 1890 (digital über Bayerische Landesbibliothek). Ausführlicher Bericht über die Sedansfeier dieses Jahres in Königsberg. Damals lag die Kapitulation in Sedan, die „glorreichen Errungenschaften“, zwanzig Jahre zurück. Die Feiern begannen am Abend des 1. September dieses Jahres Kriegerdenkmal-Ernstplatz-Cmit Festgeläute, Lampionumzug und bengalischer Beleuchtung. Abends Festcommers im Saale „Brochlos“.

Am nächsten Tag, einem Dienstag (offensichtlich ein allgemeiner Feiertag) wiederum Festgeläute, Festzug zur Kirche, Böllerschüsse. Predigt über 1. Mose 50,20.

Nach dem Gottesdienst Zug zum Festlokal zum „üblichen Schoppen mit Bratwürsten“ bei heiteren Gesprächen. Nachmittag nochmals ein Festzug in das Versammlungslokal zu einem festlichen Konzert mit Vorträgen. Bei Einbruch der Nacht wurden auf „den Höhen nah und fern“ die Sedansfeuer entzündet, zusätzlich ein Feuerwerk.

Das Gedenken an Gefallene und Opfer spielte bis dahin kaum eine Rolle, anders als etwa beim Volkstrauertag. Nur zum Schluss dieses Berichts, wohlgemerkt „nur“ aus Königsberg, ist von „Kriegsgreueln“ die Rede, verbunden mit dem Wunsch nach einem künftigen dauerhaften Frieden und die Entbehrlichkeit derartiger Gedenkfeiern.  Die Folge war eine massive Überschätzung der eigenen Kräfte und Unterschätzung des Gegners. Bekannt sind die Parolen bei Beginn des I. Weltkrieges, wo viele an einen schnellen Sieg im Westen, einen Einmarsch in Paris geglaubt haben.

Die tonangebende politische Kraft im Herzogtum Coburg war seinerzeit die nationalliberale Partei.

 

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