Aus „Das Farnkraut“, Sonderheft Juni 1965

 

Unsere Wanderberichte stecken voll bemerkenswerter heimatkundlicher und lokalhistorischer Hinweise, die sie auf Dauer wertvoll machen. Dies gilt besonders dann, wenn ein Experte aus persönlicher Neigung und Leidenschaft tätig wurde, wie es August Dötsch war. August Dötsch selbst war Rodacher, dort wohlbekannt als Ofensetzer. Er nahm auch an der legendären Wimpelwanderung von Coburg nach Freiburg im Jahre 1964 teil.

 

 

Rodacher Bergland alles andere als reizlos

 

Zu schade, daß jener Coburger Bahnhofs-„Ratgeber" am 8. Mai (1965) nicht mit von der Partie war, nach dessen Ansicht es „im reizlos flachen Rodacher Winkel so gar keine Berge gibt". Er hätte seine Meinung sehr schnell revidieren müssen, zumal August Dötsch für den Muttertag einen ganzen Strauß schöner Aussichtspunkte auf den westlichen Randbergen unserer Heimat ausgesucht hatte. Nach dem Schweighofer Wanderstart bot schon der Gold-Berg lohnende Ausblicke bis zum Straufhain, zu den Gleichbergen, auf die Langen Berge, zur Veste Coburg und natürlich auf Rodach — Anlaß zugleich, die 18 Wanderer mit der Geschichte dieser Stadt vertraut zu machen. Nicht weniger interessant wußte der Wanderführer vom nahen Galgenberg zu berichten. Am Rodacher Waldbad vorbei ging es weiter zu einem Standfrühstück bei der jetzt unbewohnten „Jägersruh". August bewährte sich dann als  Waldläufer ohne Karte und Kompass auf allen „Umwegen", die zumeist Rinnsalen glichen. Der Hohe Stein gab einen wundervollen Blick frei zur Veste Heldburg, der „Fränkischen Leuchte", deren Geschichte und heutiges Schicksal die Herzen der Wanderer bewegte. Grenzpolizei begleitete sie bis zum Waldrand, wo das von Weiden und Erlen umsäumte Rodachtal mit Gauerstadt diesseits und Billmuthhausen jenseits der Zonengrenze vor ihnen lag. Besonders nahe ging jenseits des grenzgespaltenen Mühlbergs der an unvergessene Wanderungen über den Kupferbrunnen zur Heldburg erinnernde Blick von der Sülzfelder Westhöhe entlang der von blühenden Schlehenhecken umrahmten Rodach nach dem fast ganz zu überschauenden Bad Colberg. Nach der Mittagseinkehr in Mährenhausen, wo es zunächst echte Erbsensuppe und später eine Kaffeestärkung mit Honigbrotzugabe für die Damen gab, zwang ein Unwetter zu unfreiwilliger Einkehr in der Scheune eines Aussiedlerhofes. Weil der verständnisvolle Bauer ob dieses „Überfalls" nicht schimpfte, weinte der ansonsten tapfere Wanderbursche Thomas umsonst, dieweilen sein vierbeiniger Freund Teddy winselte, weil ihm die Witterung des Hasenstalles in der Nase kitzelte. Herrlicher Sonnenschein entschädigte alsbald für das schnell abziehende Unwetter und machte das Weiterwandern an mächtig angeschwollenen Bächen entlang zum Vergnügen. Die gereinigte Luft wurde auf dem Weg über den aussichtsprächtigen Schönberg und vorbei am Fuchsberg bis Großwalbur in vollen Zügen genossen — das gastronomische Aufgebot zur dankbar-fröhlichen Schluss Einkehr dort auch.