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Coburger Erker

Links - Säule weiß = silber auf rot, Herrschaft Römhild, rechts “in Gold Henne schwarz, auf Hügel stehend”, gefürstete Grafschaft Henneberg, die ersten Landesherren. Wie allgemein bekannt, ging dieser Zweig der Henneberger (“Pflege Coburg”) mit der Herrschaft schon im Jahre 1353 durch Erbfall an die Wettiner über. Seitdem führten die Wettiner auch diesen Titel.
Allegorische Darstellung einer Tugend: “K(C)aritas” - (fürsorgliche) Liebe, eindringlich symbolisiert: Caritas breitet schützend die Hände über die  kleinen Kinder.

FKR_1824

Herrschaft Römhild - ursprünglich ebenfalls Henneberg. Dieses Wappen, die silberne Säule auf rotem Grund ist identisch mit dem eines bedeutenden italienischen Adelshauses, den “Colonna” in Rom. Es gibt sagenhafte Überlieferungen, wonach die Henneberger ursprünglich aus Rom stammen würden und dieses Wappen hier weitergeführt hätten, neben dem bekannteren “Henne - Berg”.
Diese Colonna waren wohl eines der bedeutendsten Adelshäuser in Italien - sie wurden Feldherren, mehrfach Kardinäle und einer sogar Papst - und sie gibt es nach wie vor. Neulich besah ich mir ein einem der besseren Lebensmittelmärkte das Olivenöl-Regal. Und siehe da, es gab dort Olivenöl mit einer Marke, die genau dem Säulenwappen entspricht. Mehr noch, als Erzeuger firmiert eine Principessa Colonna.
Es gibt auch eine Gemeinde in Italien mit diesem Namen - auch diese Gemeinde führt den Namen.

Mit Herkunft und Namensgebung der Henneberger befasst sich u. a. ein F. Güntzel, Obermaßfeld in “Das Henneberger Grafengeschlecht und seine Stammburg Henneberg” (Thüringen in Wort und Bild II, Leipzig 1910). Demnach sei der Name des Burg-Berges ursprünglich eigentlich “Heymberg” gewesen. Die Herkunft aus Italien sei “Erfindung von Mönchen”. Die ausgewanderten Römer unter Führug eines “Poppo” hätten auf dem Berg gelagert, dabei seien “Feldhühner” mit zahlreichen Jungen aufgeflogen. Das sei als gutes Zeichen gewertet worden, hier eine Burg zu bauen.
Neuestes Schrifttum: Vincenz Czech, “Legitimation und Repräsentation”, Berlin 2003. Demnach habe sich bereits zu Beginn des 15. Jhdt. ein “Mythos” um die Herkunft gebildet. Demnach soll die “Auswanderung” bereits 356 stattgefunden haben, als die Vandalen Rom erobert hatten. Auch hier wird von der Henne berichtet. Mehr noch: diese angebliche Herkunft sei sogar ausdrücklich von der italienischen Seite bestätigt worden. Das Wappen sei von Kaiser genehmigt worden, wovon allerdings nur die Römhilder Linie Gebrauch machte; das Henneberg-Schleusinger Wappen sieht anders aus: interner link Schleusingen.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: sowohl das Wappen mit der schwarzen Henne als auch das Colonna-Wappen werden auf dem “Coburger Erker” gezeigt (siehe das Bild ganz oben).

Dies gilt auch für das grosse Wappen an dem Eingang Spitalgasse. Hier sind in den Feldern der untersten Reihe sowohl das Säulen- als auch das Hennenwappen enthalten. Dieser Eingang kann als “Wappenportal” bezeichnet werden.

 

Wappenportal  Coburg Spitalgasse

Dieses Wappen stammt wie das ganze Bauwerk aus der Zeit des Herzog Johann Casimir. Dieser wurde allerdings noch auf seiner bronzenen Grabplatte in der Morizkirche zwar als “Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, Landgraf von Thüringen, Markgraf von Meißen, Graf in der Mark und Ravensberg und Herr in Ravenstein” bezeichnet, nicht aber als “gefürsteter Graf von Henneberg”. Bei seinen Nachfolger wird dieser Titel allerdings genannt, siehe den Gedenkstein in der Oberen Anlage. Möglicherweise sollten die vermeintlichen Ansprüche aus dem Erbfall “Jülich-Cleve-Berg” betont werden siehe hierzu auch den internen link

Jülich - Cleve - Berg

Sollte die Reihenfolge damals bewusst gewählt worden sein, dann würde dem “Colonna”-Wappen für Römhild ein höherer Rang zukommen. Unten das grosse Staatswappen aus der Zeit des Herzog Johann Casimir am Gymnasium Casimiranum. Die Felder im Schildfuss hier ebenfalls für Henneberg und Römhild,diesmal in anderer Reihenfolge.

Gymnasium Casimirianum Wappen