Aus „Farnkraut“ Jahrgang 1964 – Sonderheft –
 

Die ersten Rundwanderwege
Nr. 1 und Nr. 2

 


Mit zarter Hand lasse man einen gutgeschliffenen Rundhobel über 12 x 8 cm Rasur bedürftiger Baumrinde gleiten, trage leicht verblassenden Tischlerleim (der umso besser haftet, je impertinenter sein Geruch) auf die „Politur", setze im Abzielbildverfahren eine weiße Nummer auf grünem Grund in das also präparierte Viereck — und fertig ist die Markierung, von der „Kleinigkeit" gelegentlicher Richtungspfeile oder Wegweiser abgesehen. Vorausgesetzt natürlich, dass die zu markierenden Bäume oder mitunter auch Masten und Zaunpfähle zuvor durch erfahrene Wanderführer mit dem rechten Blick für Sichthindernisse per Distanz oder zu erwartende Blätter- und Sträucher-Entfaltung ausgemacht sind.
 

Die beiden “Ernste” Eckerlein und Köhler sind solchermaßen prädestinierte Pfadsucher, und Siegfried Meyer ihr bereits routinierter Wegemeister, dem August Dötsch mit Geschick nacheifert. Deshalb können wir jetzt schon vermelden: Rundweg l im Lahmer Forst und Rodach/ Heldritter Rundweg 2 sind ordnungsgemäß markiert; ja, sie haben ihre Bewährungsprobe bei Einzel-, Vereins- und Schulwanderungen im Mai bereits bestanden.
 

Im Zuge der sich nunmehr auch im Coburger Raum entfaltenden „Gegenbewegung" gegen die mancherlei körperlichen Beschwerden aus Bewegungsmangel ist damit eine vom Landratsamt angeregte Aufgabe eingeleitet, die mit einem kleinen Wanderführer und einer neuen Wanderkarte 1:50.000 gekrönt werden soll. Diese weiträumige Karte wird die bisherigen Einzelkarten von Coburg/Rodach, Neustadt/Sonneberg, Lichtenfels/ Frankenjura und Ebern zusammenfassen, natürlich unter Berücksichtigung der bereits markierten Wanderwege zur Alexandrinenhütte, zum Sauloch, nach Tambach und zu den Hofmannsteichen, über Maximilians- und Carlspfad nach Schloss Banz sowie der in diesem Jahre zu markierenden Rundwanderwege durch den Hohensteiner Wald und den Mönchrödener Forst sowie im Sonnefelder und Neustadter Raum.
 

Das ist der mit diesen Rundwegen verfolgte Zweck: Möglichst viele Pedalschoner zu Spaziergängen und Kurzwanderungen anzuregen, die ihnen verkehrsfern und doch in günstiger Verbindung mit Bahn- oder Bushaltestellen bzw. waldnahen Parkmöglichkeiten die landschaftlichen Schönheiten unserer engeren Heimat erschließen. Dabei sollen sie sich bequem und zielsicher ergehen können, viele und gute Ruheplätze mit reizvollen Ausblicken genießen und unfehlbar zum Ausgangspunkt und damit zu ihrer Fahrgelegenheit zurückfinden.

Am Neershofer Teich beginnt der 8 km lange Rundwanderweg l, der zur Markierung vom Schlossplatz aus durch den Hofgarten, den Bausenberg unterhalb von Teufelskanzel und Vogelherd und via Rehwiese durch den Park des Schlosses Neuhof angegangen wurde, noch bequemer aber von der Bahnstation Oeslau (über Waldsachsen), von der Stadtbus-Endhaltestelle Rogen aus vorbei am Goldberg und natürlich auch durch direkte Pkw-Anfahrt erreicht werden kann.
Die weiße l auf grünem Grund weist den Weg am Neershofer Mühlteich entlang nach Südwesten in leichtem Anstieg hinein in den Lahm, auf dessen Waldstraße nach rechts zur Straße Lützelbuch—Oberfüllbach, auf ihr knapp l km zum Gedenkstein Jägersruh am Waldrand westlich Oberfüllbach und dann nach Norden hinauf zur romantischen Felsgruppe des Wildmeistersteins. Von dort führt die Markierung nordwärts zurück zur Waldstraße und auf ihr nach Westen zu dem Anmarschweg vom Mühlteich herauf, der nun zum Ausgangspunkt zurückführt. Ein zu allen Jahreszeiten erquickender Waldspaziergang, der mehrfach gute Ausblicke in den Ost- und Nordteil des Landkreises und über Oeslau hinaus zur Hohen Schwenge und den Lauterbergen gewährt und manche Begegnung mit der heimischen Tierwelt verheißt.
 

Der Rundwanderweg 2 führt vom Rodacher Marktplatz aus über den Dammüllersweg in den Mühlbach-Grund, durch diesen rechts um das
immer im Blickfeld liegende Heldritt herum zum dortigen Waldbad, an dessen Instandsetzung fleißig gearbeitet wird, und dann am Taubenrangen entlang zur alten Straße Heldritt— Hetschbach. Einer der Wegweiser, die diese Markierung noch vervollständigen sollen, wird hier zu einem kurzen Abstecher nach der Zonengrenze bei Hetschbach anregen. Die Markierung aber geleitet in Distanz zur Grenze über einen neuen Forstweg zum Gellnhäuser Grund auf den Eisfelder Weg und über ihn vorbei an den Reith-wiesen zu dem nach Rodach zurückführenden Reithweg, der herrliche Ausblicke u. a. zu Georgenberg, Straufhain und den Haßbergen im Westen sowie nach Süden und Südosten bis zur Veste Coburg bietet.

Dieser bisher wenig bekannte 12 km lange Wanderweg, der sich nach Belieben in zweieinhalb oder auch in vier Stunden zurücklegen lässt und in umgekehrter Richtung (diese Markierung wird noch vervollständigt) nicht weniger reizvoll ist, lädt zu erholsamem Wandern mit vielen Schaupausen ein. Er hat natürlich bereits das besondere Interesse des Gemeinnützigen Vereins Rodach gefunden, dessen starke Beteiligung an der Testwanderung das 25köpfige Aufgebot des Thüringerwald-Vereins Coburg mehr als verdoppelt hat.

Anmnerkung: Der Rundwanderweg „1“ wurde in den letzten Jahren leicht verändert. Beim Rundwanderweg „2“ ist es so, dass er inzwischen mehrfach übermarkiert und daher auf der gedruckten Wanderkarte nicht mehr leicht zu erkennen ist. Daher von einer älteren Ausgabe den betreffenden Ausschnitt. Als Mitherausgeber dieser Wandekarte haben wir vom Verlag jeweils die frdl. Genehmigung zu solchen Publikationen und setzen jeweils den Verlagshinweis.
 

Rundwanderweg2
Verlagshinweis2