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Auf den Spuren Victor von Scheffels

und des Thüringerwald-Vereins

Blick in Gästebücher der Gügel-Kapelle

von Georg Gunzelmann; “Das Farnkraut” Nr. 3/1970

Bei der Vorbereitung der ersten Ferienwanderung des Rennsteigvereins „Durch die nördliche Frankenalb", die soeben wieder mit dem Untertitel  „----und auf Victor von Scheffels Spuren in die Lande um den Main" durchgeführt wurde (in der nächsten „Farnkraut'-Ausgabe berichten wir darüber), blätterte ich am letzten Adventssonntag 1968 bei Kerzenlicht in alten Gästebüchern der Mesnerklause auf Gügel. Während sich Amerikas Astronauten gerade zur ersten Mondumkreisung anschickten, fand ich im ältesten Gästebuch — es beginnt am 26. Oktober 1829 mit dem Schriftzug von Josef Maria Freiherr von Fraunberg, Erzbischof von Bamberg — unterm 25. August 1859 folgenden Eintrag: „Dr. Jos. Vict. v. Scheffel von Karlsruhe". Mein Interesse war geweckt. In einem der nachfolgenden Bände, nach vielen mehr oder minder originellen, stets aber selbstbewußten Eintragungen, fiel mir ein handgezeichnetes Farnkraut ins Auge: Ein Eintrag von Wanderern des Thüringerwald-Vereins aus Coburg unterm 19. April 1914!
Auch Gästebücher haben ihre Geschichte. Nach dem Tode des alten Mesners Döpp (31. 5. 1969), der 65 Jahre auf dem Gügel gelebt und dort mit seiner Frau elf Kinder großgezogen hatte, und dem Wegzug der Familie verschwanden die Gästebücher. Seitdem verfolgte ich ihre Spuren, und nun sind die Bücher wieder da: Das Buch mit dem Scheffel-Eintrag befindet sich jetzt, wohlbehütet, im Kath. Pfarramt Scheßlitz, die anderen drei Bände, darunter das Buch mit dem Eintrag des Thüringerwald-Vereins von 1914, liegen in der neugestalteten Mesnerklause der Felsenkapelle Gügel zur Einsichtnahme und zur Weiterführung auf. Mein Wanderfreund Felix Weber hat die beiden Eintragungen für unsere „Farnkraut“-Leser fotografiert. Hoffen wir, daß der Gügel, seit langem vertrautes Ausflugsziel der Wanderfreunde vom Thüringerwald- und vom Rennsteig-Verein, dadurch allen noch anziehender wird.
Was nun sagt die Scheffel-Forschung*) zu unserem Eintrag?: Victor von Scheffel traf am 11. Juli 1859 über Coburg mit der Werratal-Bahn in Lichtenfels ein und erreichte zu Fuß Schloss Banz. Der Aufenthalt hier sollte vor allem seiner körperlichen und seelischen Gesundung dienen. Ergreifend beschreibt er seinen seelischen Zustand im „Bericht von den Mücken". Er unternimmt ausgedehnte Wanderungen in die Banzer Umgebung, zur Steglitz, nach Vierzehnheiligen, zum Staffelberg und in den Fränkischen Jura. Bis in den September 1859 hinein währte sein Aufenthalt in Banz. Als literarischer Nachlaß aus dieser Zeit blieb uns nicht nur die unsterbliche Wanderfahrt „Wohlauf die Luft geht frisch und rein...", die später — von dem Würzburger Valentin Becker 1870 vertont — als Frankenlied in ganz Deutschland Eingang fand. Neben anderen Werken als Nachhall seines Aufenthaltes in der fränkisch-thüringischen Landschaft schuf er 1863 das große Gedicht „Der Rennstieg", das alle Rennsteigwanderer immer wieder ergreift.
In seinem Briefwechsel mit seiner Mutter nennt Victor von Scheffel die Gesellschafter seines Aufenthaltes in Banz: den Gastwirt Schonath auf Banz, den Forstverwalter und den Amtsschreiber; sie nannten ihn den „Professor" aus Karlsruhe. Wir finden sie alle in unserem Eintrag wieder.
Georg Gunzelmann

*) Ich folge Heiner Kohles’ “Joseph Victor von Scheffel, der Dichter des Frankenliedes” in “100 Jahre Landkreis Staffelstein”, Lichtenfels 1962.

Ergänzung siehe den internen link Johannes Proelß
 

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