Thüringerwald-Verein Coburg: seit 100 Jahren für Sie im Dienste von Wandern, Naturschutz, Heimatpflege......zur .Mitgliedschaft (bitte anklicken!)

Studentisches Wanderlied wird Hymne

 

Im Mai 1867 erschien in Heidelberg eine Liedersammlung des bekannten deutschen Dichters Victor von Scheffel (1826 – 1886). Der Titel: “Gaudeamus“. Mit dieser Bezeichnung  wird schon deutlich: es handelt sich in erster Linie um Trinklieder für die studentische Kneipe, für Studentenverbindungen der verschiedenen Spielarten.

Gegliedert ist diese Liedsammlung in Abschnitte

·        Naturwissenschaftlich

·        Kulturgeschichtlich

·        Rodenstein

·        Heidelbergisch

·        Neueres…

Zu den Abschnitten „Naturwissenschaftlich“ und „Kulturgeschichtlich“; diese Texte sind  keinesfalls etwa ernstzunehmende akademische Sachbeiträge. Es ist aber auch selten reiner Nonsens, also keine „Klapphornverse“.  Ausnahme  aber: das eigentlich  besonders erhabene „Hildebrandslied“.  Bei Scheffel bleibt vom ursprünglichen Sinn und Inhalt einer der ältesten Dichtungen nichts mehr übrig:

Auszug:

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,

Ritten bis da, wo ein Wirtshaus stand, Wirtshaus stand,

Wirtshaus mit kühlen Bieren.

 

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,

Trunken sich beid' einen Riesenbrand, Riesenbrand,

Krochen heim auf allen vieren.

 

Die meisten anderen Texte haben aber einen durchaus ernsthaften sachbezogenen Kern  (z. B. „Granit“, „Basalt“, „Ichthyosaurus“). Den Ausführungen wird  aber stets seine humoristische Wendung gegeben; spätestens bei „Guano“ wird  der Hang zum deftigen deutlich.

Berühmt wurden aus dieser Sammlung drei  Lieder aus dem Abschnitt „Kulturgeschichtlich“, nämlich „Altassyrisch“, „Die Teutoburger Schlacht“ und „Wanderlied“.

Hinter „Altassyrisch“ verbirgt sich das  bekannte Studentenlied „Im Schwarzen Walfisch zu Askalon“. „Die Teutoburger Schlacht“ ist wohl  den meisten geläufig  durch die Anfangsverse „Als die Römer frech geworden…“. Hierzu wäre aber einiges anzumerken. Aus heutiger Sicht ist es fragwürdig, ein lustiges Trinklied auf eine der grausamsten Schlachten der Weltgeschichte zu intonieren. Im 19. Jhdt. war dies wohl dem Zeitgeist geschuldet.  Die Leute wollten sich damals den Glauben nicht nehmen lassen, Arminius als Vorkämpfer der deutschen Reichseinheit zu vereinnahmen.  Immerhin schlägt Scheffel bei m „Grenzwall“ zum Verhältnis Germanen – Römer auch versöhnliche Züge an (Erstpublikation „Fliegende Blätter“ 1867). Manchmal  setzte er auch ihm bekannte Sagengestalten in ein scherzhaftes Trinklied um, so um den Konflikt zwischen dem  Kurfürsten  Ottheinrich von der Pfalz und dem legendären  Schulzen “Enderle von Ketsch“.  

Hinter dem Titel „Wanderlied“ aber verbirgt sich nichts Geringeres als das, was wir  heute als „Frankenlied“ kennen, was heute vielfach als inoffizielle Hymne Frankens betrachtet wird. Gedacht war es aber ursprünglich  für das studentische Wandern. Ihm in der Textfolge vorausgehend steht   ein „Lied fahrender Schüler“, ihm  folgend „Des Klosterkellermeisters Sommermorgenklage“.  

Die „fahrenden Schüler“ fordern vom „kühlen Pfarrherrn“ ungestüm ungestüm Speise und Trank, und des Klostermeisters Sommermorgenklage hebt wie folgt an:

Huh weh! mir ist des Tages bang!

Tret' ich hinaus in den schweigenden Bergwald,

Den kaum das erste Frühlicht erhellet,

Wehe! noch lagert die Hitze von gestern

Über versengtem Moos und Gesträuch,

….

Dieser Klosterkellermeister hat offensichtlich, aus welchen Gründen auch immer, Probleme mit den sommerlichen Temperaturen.

Wir könnten zusammenfassen: dieses „Wanderlied“ und künftige „Frankenlied“ ist wohl der  am ehesten ernsthafte  Text  aus der „Gaudeamus“-Sammlung. Dennoch hat Scheffel sich hier „dichterische Freiheiten“ erlaubt.

Scheffel weilte vom Juli bis September 1859 in Banz, damals im Besitz der wittelsbachischen Nebenlinie der „Herzöge in Bayern“.  Dieser Dichter war für damalige Verhältnisse sehr viel unterwegs, Franken spielte dabei nicht gerade eine besondere Rolle.

Die Liedersammlung erschien erst 1867 in Heidelberg. Ob der Text schon früher publiziert worden ist, ist wohl schwierig festzustellen.

Allgemein bekannt ist, daß die Kapelle auf dem Staffelberg nicht dem hl. Veit geweiht ist, die Veitskapelle steht auf dem benachbarten Ansberg.

Ich will jetzt nicht in einen theologischen Streit eingreifen, ob wirklich St. Kilian oder doch in Wirklichkeit St. Urban für den fränkischen Weinbau zuständig ist.

Der Obermain war sicher schon damals nicht gerade ein Zentrum des Weinbaus. Auf den annähernd zeitgenössischen Illustrationen eines Ludwig Richter für „Das malerische und romantische Deutschland“ jedenfalls ist auf den Blättern nichts von Weinbergen zu sehen, ganz im Gegensatz zu dem bekannten Blatt  „Bamberg“ , wo noch heute die Gärtner des Berggebiets,  die „Häcker“, an den einstigen Weinbau erinnern.

Historisch dokumentiert ist vielfach der Einsiedler, zu Scheffels Zeiten Ivo Hennemann. Ob er wirklich über nennenswerte Weinvorräte verfügt hat?

Vielleicht liegt hier weniger eine genaue Ortsbeschreibung, vielmehr eine dichterische Idee von Franken,  von einem imaginären  Main- und Weinfranken.

 

Hat es Ihnen gefallen: hier noch ein Hinweis auf interne “links” - bitte anklicken:

Impressum              Kontakt             Thüringerwald-Verein