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Aus dem „Wanderführer durch Coburg – Stadt und Land“, gemeinsam herausgegeben vom Verkehrsverein Coburg e. V. und Thüringerwald-Verein Coburg e. V. um 1980, Text von Werner Ungelenk. Der gelernte Journalist war Begründer der Vereinszeitschrift „Das Farnkraut“ und viele Jahre so etwas wie unser Mentor. Er fühlte sich seiner Heimatstadt verpflichtet, was in dem folgenden Text belegt ist. Der Text ist natürlich nach wie vor aktuell und musste nur durch einige zeitbedingte Anmerkungen ergänzt werden. Außerdem sind “interne links” zu den Bildergalerien eingebaut, die bei Interesse jeweils angeklickt werden können. Rückkehr zum Text - unter “Windows” jeweils weißer Pfeil auf grünem Grund  oben links!

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Rundgang durch die Stadt Coburg

 

Guter Rat zuvor: Coburgs wesentlichste Sehenswürdigkeiten liegen im Altstadtbereich verhältnismäßig dicht beieinander. Spaziergänge durch den Hofgarten zu Mausoleum, Naturmuseum und Veste oder in die schmucken Stadtrandgebiete sind weder zeitraubend, noch mit Unbequemlichkeiten verbunden. Man sollte also aufs Auto verzichten. Das kann man um so leichter, als Parkhaus an der Mauer, Albertsplatz, Anger, Theaterplatz mit Gemüsemarkt, Rittersteich und Hauptpost reichlich guten Parkraum bieten und vom Stadtmittelpunkt jeweils nur einige Gehminuten entfernt sind.[1]

Dieser Mittelpunkt ist der Marktplatz.

Bildergalerie: Markt

Bildergalerie Schützenauszug 2009

Auf ihm spielt sich mittwochs und samstags buntes Wochenmarkttreiben ab; rings um das Denkmal des Coburger Prinzen Albert (1819 — 1861), Prinzgemahl der Queen Viktoria von Großbritannien.

Die Südseite des Platzes beherrscht das fassadenprächtige Rathaus mit dem „Coburger Erker" von 1578, der historischen Regimentsstube und einem der meistbewunderten Renaissance-Ratssäle in Deutschland. Die kupferne Giebelfigur über der Rathausuhr stellt den Schutzheiligen der Stadt dar: Mauritius mit dem Kommandostab des einstigen Anführers einer Christenlegion in seiner zum Römischen Reich gehörigen Heimatlandschaft Thebias (Oberägypten). Die Coburger deuten diesen Kommandostab freilich als Normalmaß für die Rostbratwürste, die tagtäglich auf dem Markplatz (aber nicht nur hier) feilgeboten werden. Der Volksmund nennt das Standbild auch nur „Bratwurstmännle". Gegenüber dem Rathaus, an das sich das Gebäude der Sparkasse mit lieblicher Rokokoornamentik anreiht, steht das Stadthaus, ein casimirianisches Renaissancebauwerk, das 1598 als Regierungsgebäude in Dienst gestellt worden ist. Den Monumentalbau mit fünf figurengeschmückten Giebeln zieren zwei weitere „Coburger Erker". Zur Ausstattung des Markplatzes gehören zwei der Steinkastenbrunnen (aus der Zeit um 1550), die mehrfach im Stadtbild zu finden sind (Steingasse, Ketschengasse usw.).

 

Ein besonders zu beachtendes Bürgerhaus am Markt ist die gotische Hofapotheke (bereits nach 1400 erwähnt) mit einer in den Riemenschneiderkreis gehörenden Christophorusfigur (etwa 1500), einer weiteren Steinplastik, Maria mit dem Kind darstellend, und einem reizvollen Chörlein. Nahe der Einmündung der Ketschengasse in den Marktplatz Coburgs attraktivster Fachwerkbau: das Münzmeisterhaus mit Fachwerk aus der Zeit der Erbauung (1333).

 

Durch den Torbogen des Münzmeisterhauses gelangt man in die Neugasse. Sie führt vorbei an der Steinernen Kemenate, dem ältesten Haus der Stadt (12. Jahrhundert) mit wuchtigem Treppengiebel, und am 1605 vollendeten humanistischen Gymnasium Casimirianum (mit Eckstandbild des Schulgründers Johann Casmir und Glockentürmchen) direkt auf die Hauptkirche St. Moriz zu.

Bildergalerie: St. Moriz

 

Die ungleichen Türme dieser bedeutenden westdeutschen Luther-Gedenkstätte sind ein Wahrzeichen der Stadt. Über den Resten einer romanischen Vorgängerin hat sich der Kirchenbau mit wertvollen Steinfiguren und Epitaphien vom 14. bis zum 16. Jahrhundert zu seiner heutigen Gestalt entwickelt. Eine besondere Kostbarkeit birgt er in dem 13 Meter hohen Renaissancegrabmal, das Johann Casmir für seinen Vater Herzog Johann Friederich den Mittleren und dessen Familie aus thüringischem Alabaster erstellen ließ (1595 — 1598). Eine Luther-Büste erinnert an des Reformators wiederholte Coburg-Aufenthalte, insbesondere um 1530.

Hinter dem Ostchor der Morizkirche steht Coburgs ältester Schulbau, die 1576 vollendete Ratsschule [2]an der Unteren Anlage, die ein Wappenstein nebenan (Nachbildung des Originals von 1832) als einstigen Wallgraben ausweist. Am viereckigen Bärenturm (1822 noch Bärenzwinger an der Stadtmauer) und am musischen Gymnasium Albertinum vorüber gelangt man zur Salvatorkirche (1660 — 1662 erbaut) neben imposantem Renaissancetor von 1605; Zugang zu einer Friedhofsanlage

Bildergalerie: Salvatorfriedhof

 im Südosteck der Stadtmauer[3], die hier am Ketschentor, Coburgs Zweitältestem Stadttor, endet.

 

Unterhalb der Stadtmauer das neuzeitliche Justizgebäude, dahinter das moderne Kongresshaus der Stadt (Saalbau und Terrassengaststätte) mit schönem Ausblick über die Schmuckanlage des Rosengartens hinweg zur 500jährigen St.-Nikolaus-Kapelleder Altkatholiken. Gegenüber (nach Westen) der Ketschenanger, Großraumparkplatz und Mittelpunkt großer Volksfestveranstaltungen, wie zum Beispiel des traditionellen „Vogelschießens".[4]

 Bildergalerie             Rosengarten

Sehenswert im Nahbereich des Marktplatzes ist weiter das um 1250 erbaute Judentor, durch das die Judengasse zur 200jährigen Massivstein-Judenbrücke und zur modernen Straßenverkehrsbrücke am Portikusbau des ehemaligen Alexandrinen-Volksbades hinführt; in der Herrngasse das casimirianische Zeughaus (1616 — 1621), die einstige gotische Ratskemenate und die Renaissancefassade (mit Erker und Rundgitter) der Stadtbücherei (Haus Nr. 17).

 

In die Herrngasse mündet ein die Rückertstraße. In ihr hat der Dichter Friedrich Rücken von 1820 bis 1826 im Elternhaus seiner Frau gewohnt und gewirkt.

 

Begrenzt wird die Rückertstraße, die ebenfalls ein Kastenbrunnen ziert, im Osten von der Ehrenburg am Schlossplatz.

Bildergalerie Schloßplatz

Bildergalerie Schlossplatzfest 09

Diese ehemalige Stadtresidenz der Coburger Herzöge entstand Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem Gelände eines 1250 gegründeten Franziskanerklosters. Weil sie ohne Fron erbaut wurde, gab ihr Kaiser Karl V. den Namen „Ehrenburg". Anfang des 19. Jahrhunderts nach Plänen des Baumeisters Schinkel im Stil englischer Gotik verändert, enthält das Schloss (zu besichtigen) u. a. ehemals fürstliche Wohn-, Arbeits- und Prunkräume, die barockprächtige Schlosskirche, ferner das Bayerische Staatsarchiv Coburg und die aus herzoglichem Besitz hervorgegangene Landesbibliothek mit außerordentlich wertvollen Beständen (rund 280 000 Bände, Handschriften, Wiegendrucke, Karten usw.).

 

Der Ehrenburg gegenüber liegt das Landestheater (1827 als Hoftheater gegründet). In ganzjähriger Spielzeit bietet es Oper, Operette, Schauspiel (mit Kammerspiel), Ballettaufführungen und Sinfoniekonzerte. Der Erprobung alternativer Darstellungsformen dient das Theater am Hexenturm der westlichen Altstadtmauer (neben dem Judentor), eine Art Zimmertheater.[5]

 

Hinter dem Landestheater eine Anlage mit Denkmales Feldmarschalls Prinz Friedrich Josias von Coburg, der 1789 die Angriffe der Türken gegen Europa entscheidend abgewehrt hat. Daneben das palaisartige Bürglaßschlösschen, heute städtisches Verwaltungsgebäude mit historischem Rahmen für standesamtliche Trauungen; zuvor Ferien- und Alterssitz des Zaren Ferdinand von Bulgarien aus dem Hause Coburg-Kohary. Er ruht in der nahen katholischen Hauptkirche St. Augustin (1860 am Rande des Hofgartens erbaut). Unterhalb dieser Kirche schließt den Schlossplatz nach Norden ab das ehemalige Palais Edinburgh,

Bildergalerie "united kingdom" am Schlossplatz

 heute Sitz der Industrie- und Handelskammer. Die Ostseite des Schlossplatzes, in dessen Mittelpunkt das Denkmal Herzog Ernsts I. steht, beherrschen die Arkaden, ein 1840 entstandenes Schmucksteingemäuer, dessen Mittelgewölbe, die einstige Schlosswache, zum Gefallenenehrenmal der Stadt umgestaltet ist. An der Südostecke des Schlossplatzes schließt sich an die ehemalige herzogliche Reithalle von 1852, seinerzeit Coburgs größter Saalbau, als solcher Gründungsstatte des Deutschen Turnerbundes (1860) und des Deutschen Sängerbundes (1862) sowie (ebenfalls 1860) Tagungsort der ersten Generalversammlung des Deutschen Nationalvereins. [6]

 

Auf den Arkaden beginnt der Aufgang zur Veste Coburg durch den Hofgarten. Der Weg durch den ehemals fürstlichen Naturpark führt vorbei am Reiterstandbild des Herzogs Ernst II. zum „Kleinen Rosengarten", einer blumenreichen Schmuckanlage mit Ausstellungspavillon des Kunstvereins [7](ständig wechselnde Kollektionen einheimischer und fremder Künstler) und zum Diakonisch-Sozialen Zentrum der Inneren Mission, verbunden mit einer Körperbehindertenschule und einem Spielplatz der Begegnung.

 

Nahebei das Ehrenmal des Coburger Convents der akademischen Landsmannschaften und Turnerschaften, das Mausoleum (von 1817) des kunstsinnigen Herzogs Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750 — 1806) und seiner Gemahlin Auguste Caroline Sophie sowie die Rastanlage am H erzog-Alfred-Brunnen. Mittelpunkt des Hofgartens ist das Naturwissenschaftliche Museum(seit 1914), aus ehemals herzoglichen Sammlungen ausgebaut zu Europas umfassendster Vogelsammlung mit weiteren Abteilungen für Pflanzen- und Gesteinskunde, Mineralogie, Völkerkunde, Ur- und Vorgeschichte usw.[8]

 Hofgarten einmal anders... Museumsnacht 2008

Die Veste Coburg(baugeschichtlich aus dem 12. Jahrhundert heraus entwickelt) ist eine der großartigsten Burgenanlagen Deutschlands. In ihrem Schutz hat Martin Luther 1530 während des Augsburger Reichstages verweilt und bedeutende reformatorische Schriften verfasst. 1632 widerstand die Burg dem Ansturm der vereinigten Heere Wallensteins und Maximilians von Bayern.

 Die Veste im Zauber der “Nacht der Kontraste...” Museumsnacht 2009

Besondere Anziehungskraft gewinnt die Veste heute durch ihre ebenfalls von den Herzögen begründeten Kunstsammlungen mit Europas bedeutendster Gläsersammlung, 300 000 Blättern eines weltberühmten Kupferstichkabinetts, wertvollen Gemälden und Skulpturen, Waffensammlungen, reichen Beständen an Kunsthandwerk, einem Münzkabinett u. a. m. Zwischen Luthers Wohnbereich und der Lutherkapelle sind im Fürstenbau die Wohnräume der Herzöge aus fünf Jahrhunderten zu besichtigen.

 

Viele bequeme Wege bieten sich zur Rückkehr in die Stadt an. Zu weiteren nennenswerten Sehenswürdigkeiten zählen in ihrem Nordbereich u. a. die 350jährige Hahnmühle und das Rosenauschlösschen am Rittersteich, zwei Fachwerkprachtbauten, die 1414 aus einer 200 Jahre älteren Laurentiuskapelle entstandene Heiligkreuzkirche

Bildergalerien  Streifzüge Heiligkreuzkirche

und die moderne Anlage kombinierter Hallen- und Freibäder (mit Wellenbad); im Westen die Neustadtbereiche um die Fachhochschule (Architektur, Elektrotechnik, Maschinenbau, Sozialwesen u. a.); im Süden das weiträumige Terrain des Land- und Lehrkrankenhauses mit Schwesternschule.

 

Diese und weitere sehenswerte Zeugen einer im Herzen jung gebliebenen alten Stadt weisen Coburg als eine vorbildliche Pflegestätte für Tradition und Fortschritt aus.


[1] Die Parksituation hat sich seit Werner Ungelenks Zeiten natürlich erheblich geändert und ändert sich ständig. Offensichtlich gab es damals die Parkhäuser Post und Zinkenwehr noch nicht. Neu geregelt wurden auch die Parkverhältnisse am Rittersteich und am Salzmarkt.

 

[2] Diese „Alte Ratsschule“ beherbergte zu Werner Ungelenks Zeiten übrigens auch die Geschäftsstelle des Thüringerwald-Vereins Coburg in zwei Räumen im Dachgeschoss. Später wurde diese allerdings trotz lebhafter Proteste aus der Bevölkerung abgebrochen und stattdessen ein Ämtergebäude für die Stadtverwaltung errichtet.

 

[3] Im Sept. 2009 wurde die Neugestaltung des „Salvator-Friedhofes“ beschlossen, wobei allerdings der überkommene Charakter der Anlage erhalten bleiben soll.

 

[4] Gemeint war noch das Kongresshaus im Zustand des ersten Baues um 1962.

 

[5] Die Studiobühne ist inzwischen in der ehem. Herzoglichen Reithalle am Schlossplatz eingerichtet.

 

[6] Siehe Anm. 5 oben

 

[7] Die Gebäude des Kunstvereins sind inzwischen durch ein sehenswertes Beispiel moderner Architektur erweitert worden.

 

[8] Ebenfalls seit Ungelenks Zeiten erheblich erweitert und modernisiert wurde dieses Naturkundemuseum im Hofgarten.