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Zitat Lehfeldt-Voss, „Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Bd. XXXII – Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, Jena 1906

 

Das RegierungsgeMude am Markt.

 

Geschichtliche Nachrichten.

Das Regierungsgebäude, die „Cantzley",

wurde — an Stelle einer abgebrochenen, alten Kanzlei — 1597 und in den folgenden Jahren von Herzog Johann Kasimir aufgeführt. An der Leitung des Baues waren der Rentmeister Nikolaus Zech, der Maler Peter Sengelaub und der Bildhauer Nikolaus Bergner betheiligt. 1601 bestimmte der Herzog das neue Gebäude zum Sitz sämmtlicher Landescollegien.

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Beschreibung des Bauwerks.

Unter den grossen Monumentalbauten, welche die deutsche Spätrenaissance in Coburg geschaffen hat, ist das Regierungsgebäude künstlerisch am Reichsten ausgestattet. Der Stolz der coburger Renaissance-Bauwerke, die schönen Erker und Ziergiebel sind hier prächtig gestaltet. Durch die freie Lage am Markt kommt die Schönheit des Gebäudes ganz besonders zur Geltung. Sowohl durch die imponirende Grosse des Gebäudes wie durch die Schönheit der Erker, welche mit ihren bewegten Unirisslinien das Dach und die Ecken des Regierungsgebäudes beleben, ist der Markt zu Coburg einer der schönsten Marktplätze in ganz Thüringen geworden. …

      Aussen ist der ursprüngliche architektonische Charakter an allen drei Fassaden des Regierungsgebäudes in der Hauptsache wohlerhalten. Allerdings fehlen den Fassaden heute die ausgedehnten Malereien, mit denen die Flächen dicht bedeckt waren. Noch im Jahre 1787 waren diese Malereien zum Theil erhalten. Zwischen den Fenstern waren einzelne Überlebensgrosse Gestalten dargestellt. In der Mitte der einen Fassade befand sich die ebenfalls gemalte, wortreiche Bau-Inschrift aus dem Jahre 1599.

    Die Gemälde waren Schöpfungen des Malers und Architekten Peter Sengelaub, der wahrscheinlich auch den architektonischen Entwurf des ganzen Gebäudes geschaffen hat. Denn vier Jahre später wird Peter Sengelaub in der Urkunde über den Bau des Gymnasiums ausdrücklich als der Baumeister desselben genannt.

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Auch die grossen, glatten Mauerflächen und die bescheidenen architektonischen Verzierungen der langen Marktfront lassen erkennen, dass1 die Bemalung der Flächen in der Architektur eine hervorragende Rolle spielte.

Anmerkung:

Die Autoren nehmen also als sicher an, dass ohne die Bemalung der Fassaden diese durch wesentlich reichhaltigeren  plastischen Bauschmuck verziert worden wären.

 Von der Art der Malerei Sengelaubs sind wir bei dem Bau des Gymnasiums genauer unterrichtet.

Von der Bemalung des Regierungsgebäudes lässt uns die Markt-Ansicht aus der Zeit vor 1787 wenigstens die Raumvertheilung erkennen. Mit dem Schmuck dieser sehr reichen Fassadenmalerei war das Gebäude mehr als 200 Jahre, wahrscheinlich bis zum Jahre 1817, bedeckt. Zuletzt mögen die Malereien durch den Regen, ähnlich wie die Malereien am Gymnasium, stark abgewaschen sein. Bei dem Anstrich des Jahres 1817 sind die Malereien wohl ganz verschwunden. Der künstlerische Sinn jener Zeit, welcher in Coburg zwischen der Vorliebe für das classische Alterthum und mittelalterlichromantischen Neigungen schwankte, hatte wohl kein Interesse an den wahrscheinlich sehr derb und buntfarbig ausgeführten Wandgemälden eines deutschen Malers aus der Zeit um das Jahr 1600.

Anmerkung:

Damit kommt zunächst die distanzierte Haltung der Autoren zu allen nachahmenden Baustilen des 19. Jhdt. zum Ausdruck, also Klassizismus, Neugotik, Historisumus.

Nicht nur in Coburg war man im 19. Jhdt. der Meinung, Farbe passe nicht auf erhabene historische Bauwerke. Ein sehr prominentes Beispiel ist der Bamberger Dom. Nach Übernahme Bambergs durch das Königreich Bayern ließ König Ludwig der I von 1829 – 1937 den Dom in den vermeintlich ursprünglichen romanisch-gotischen  Zustand zurückrestaurieren. Barocke Bildwerke, auch die Bischofsgräber wurden entfernt, die orginalen Bemalungen von Wänden und die farbigen Fassungen Statuen abgewaschen, auch vom „Reiter“. Alles war nun grau-weiß, was schon Zeitgenossen gestört hat. (Hinweis „WIKIPEDIA“ – „Bamberger Dom“ downl. Nov11).

 

Bei einer Ausbesserung der Fassaden vor mehreren Jahrzehnten (bezogen auf das Erscheinungsdatum um 1900; Anm.) sind einige Reste der ehemaligen Bemalung zum Vorschein gekommen…

unten: Zustand Anfang der 70er Jahre mit dem grauen Putz

 

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