Zitat Lehfeldt-Voss: „Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens“, Band XXXIII –Amtsgerichtsbezirk Coburg

 Der Grundstein zu dem Gebäude wurde am 2. September 1601 von Herzog Kasimir eigenhändig gelegt. Der Baumeister war Peter Sengelaub; der Bildhauer Nicolaus Bergner schuf Herzog Johann Kasimirs Bildniss in Stein.

Indes scheint diese Herrlichkeit nicht lange gedauert zu haben. Die bunten Bilder verblassten bald und waren schon nach 100 Jahren kaum mehr zu erkennen; das Bild Kasimirs verlor bereits im Jahre 1627 die rechte Hand sammt dem darin befindlichen Regimentsstab; es musste im nächsten Jahre ganz abgenommen werden und an seine Stelle trat das jetzige, „welches Vitus Tümpel von Altenstein gehauen und dafür 77 ffr. erhalten hatte".….

Das Standbild des Herzogs Johann Kasimir ist eine gute Arbeit, in welcher noch etwas von dem naiven Wirklichkeitssinn der deutschen Renaissance steckt[1]. Der Herzog trägt den kurzen Kürass, die Feldbinde, Pluderhosen und Stulpenstiefel; die rechte Hand hält den Marschallstab, die linke Hand ruht an dem Griff des aus Eisen gearbeiteten Schwertes. Zu den Füssen des Herzogs steht der Helm. Der Schöpfer der Statue ist der Bildhauer Veit Tümpel aus Altenstein, derselbe Künstler, welcher in der Kirche zu Ahorn im Jahre 1616 an dem grossen Grabmal des W. von Streitberg gearbeitet hat. Nach der Wahrheitsliebe in der Haltung dieses Standbildes kann man vielleicht den Antheil Tümpels an dem Grabmal zu Ahorn bestimmen. Die Statue ist im Jahre 1628 gearbeitet, nachdem die ursprüngliche, bei der Erbauung des Gymnasiums dort aufgestellte Statue schadhaft geworden war. Die ältere Statue war eine Arbeit von der Hand des Bildhauers Nicolaus Bergner. Möglich indessen, dass Tümpel sich bei seiner Arbeit genau nach der älteren Statue richten musste. Bei der schlichten Haltung der jetzigen Statue ist dies wohl wahrscheinlich. Der Baldachin über der Statue erinnert mit seinen aufsteigenden gekehlten Rippen und mit den Zackenbögen und kleineren Ziergiebeln an gothische Baldachine. Das Standbild ist heute farblos. Doch ehemals war es in bunten Farben bemalt. Der Kürass war vergoldet. Von der Statue, welche Veit Tümpel gemacht hat, wird dies durch den Verfasser der „Ehre des Casimirianum Academicum" ausdrücklich bezeugt. Zweifellos ist demnach auch die ursprünglich dort stehende Statue von der Hand Bergner's ebenfalls farbig bemalt gewesen. Auch Bergner's Figuren an dem grossen Grabmal Johann Friedrichs des Mittleren in der Morizkirche waren bemalt und vergoldet[2]. Ohne farbige Bemalung würde sich die Statue neben den bunten Fassadenmalereien, welche die beiden grossen Fronten dicht bedeckten, befremdend ausgenommen haben.

 


Anmerkungen:

[1] Überhaupt  sind Menschenbildnisse in dieser Epoche anscheinend oft recht wirklichkeitsnah, auch wenn dies nicht schmeichelhaft sein sollte. Aus der Statue des Johann Casimir scheint durchaus der recht zwiespältige Charakter dieser Persönlichkeit zu blicken.

[2] Zur Zeit des Erscheinens des „Lehfeldt-Voss“ vor nunmehr über 100 Jahren war dieses gewaltige Werk, wenn wir der beigefügten Photographie  nach S. 296 trauen dürfen, in einer dunklen Farbe übermalt. Im 19. Jhdt. wurden in vielen Fällen bei Bau- und Kunstwerke aus Gotik und Renaissance  die ursprüngliche farbige Fassung beseitigt.