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Text nach Lehfeldt-Voss, Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Band XXXII

 

Jena 1906

 Zu dieser Zeit war die Regierungskanzlei bereits insgesamt grau verputzt, ein Zustand, der bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts währte.

 Die grossen Prunkstücke der Fassaden sind:

1) Die beiden thurmartigen Erker an den beiden Ecken der Marktfront,…

 1) Die thurmartigen Erker an den Ecken stehen wie die älteren coburger Eckerker an der Ehrenburg und am Rathhaus auf einem starken Rundpfeiler. Auf diesem Pfeiler ruht das mächtige, trichterförmig aufgebaute Consol, welches den Erker trägt. Dieses Consol ist aus fünf einzelnen reich verzierten Schichten zusammengesetzt. An einem Consol der untersten Schicht befindet sich an dem Erker der Spitalgasse das Steinmetzzeichen: Die übrigen Schichten sind sehr reich mit Köpfen geschmückt: mit Frauenköpfen, welche die Form von einzelnen Consolen haben, und mit Löwen-und Widder-Köpfen, welche in der Form von Wasserspeiern aus den reichen Blatt-Ornamenten der Gesimse hervortreten. Auf diesem Unterbau erhebt sich der zweigeschossige Erker in Form eines Thurmes von achteckigem Grundriss.

 Reiche Sculpturen befinden sich unter den Brüstungen der Fenster in jedem der beiden Geschosse:

 1) An den Ecken stehen breite Pilaster mit Engelsköpfen, welche von Cartouchen eingerahmt sind.

 2) Die Reliefs zwischen diesen Pilastern enthalten abwechselnd eine allegorische Figur und eine Cartouche mit Wappenschild. An dem Erker in der Spitalgasse befinden sich folgende Darstellungen:

 Im 1. Geschoss Justitia, sitzend, und die Wappen von Sachsen, Jülich[1], Berg[2], sowie zwei Männerköpfe.

 Im 2. Geschoss Spes[3] und die Wappen der Pfalz, Thüringen[4], der Grafschaften Mark[5] und Ravensberg[6], ferner das Wappen von Altenburg[7], sowie ein Frauenkopf.

 An dem Erker in der Herrengasse befinden sich folgende Darstellungen: Im 1. Geschoss Fides[8], sitzend, und die Wappen der Herrschaften Coburg, Meissen[9], Brehna[10] und Eisenberg (?)[11] sowie ein weiblicher und ein männlicher Kopf. Im 2. Geschoss die sitzende Gestalt der Mässigung mit dem Zaum in der Hand, ferner Fortitudo mit der Säule und Caritas[12] mit zwei Kindern, ausserdem die Wappen von Landsberg[13], Römhild[14], Henneberg[15] und ein bartloser Kopf.

 Die trefflich gemeisselten Sculpturen zeigen den Stil des Bildhauers Bergner, welcher die Bildwerke des grossen Grabmals Johann Friedrichs des Mittleren in der Morizkirche ausgeführt hat. Bergner ist auch hier als ausführender Bildhauer urkundlich beglaubigt. Die Bekrönung jedes der beiden Erker bildet eine schön geschwungene Schweifkuppel, die mit Schiefer gedeckt ist.


[1] Löwe Schwarz in Gold, also sehr ähnlich Meißen, wenn auch mit einfachem Schweif

[2][2] Das müsste eigentlich ein roter Löwe in Blau sein. Insofern stimmt die heutige Fassung nicht ganz mit dieser Beschreibung überein.

[3] Allegorie Hoffnung mögl. siehe auch bei „Fides“  

[4] Löwe in silber mit roten Streifen, noch heute im Landeswappen von Thüringen

[5] Ein geschachter Balken in rot-silber (Heroldsbild)

[6] Drei rote Sparren in Silber (Heroldsbild)

[7] Heraldische Rose

[8] Allegorie Glaube, Treue, möglich auch Darstellung der legendären Märtyrer-Jungfrauen Spes, Fides und Caritas

[9] Löwe schwarz, doppelschweifig in gold

[10] Drei Seeblätter

[11] Drei Balken blau in Silber

[12] Liebe in Sinne von Fürsorge

[13] Drei Pfähle gold in blau

[14] Eine Säule

[15] Henne schwarz in Gold