Aus Lehfeldt-Voss: „Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens“ - Band XXXII Amtsgerichtsbezirk Coburg

Jena 1906

 

Die beiden Portale sind ernst und schlicht. Dieselben liegen in der Gymnasiumsgasse …... Das grössere von beiden, die Einfahrt, ist ein wuchtiger Quaderbau mit mächtigem Rundbogen, der von einem reichen römischen Gebälk bekrönt wird. Dieses Gebälk ruht auf zwei Consolen und dem Schlussstein, der ebenfalls die Form eines Consols hat. Über diesen drei Consolen ist das Gebälk stark verkröpft: der Architrav, der Fries, welcher aus einzelnen verzierten Quadern gebildet ist, und das Kranzgesims, welches aus dem römischen Eierstab und einer Reihe von Consolsteinen nach Art eines Zahnschnittes besteht…. Die wesentlich kleinere Pforte für Fussgänger ist ebenfalls im Rundbogen überwölbt. Die Pforte ist umrahmt von vier dünnen, profilirten Stäben. Am Kämpfer des Bogens durchschneiden sich die Stäbe dieser Umrahmung, ganz ähnlich wie das bei Portalen und Fenstern in der Zeit der Spätgothik häufig vorkommt. Diese Durchschneidungen der umrahmenden Stäbe, welche an durchflochtenes Astwerk erinnern, kommen in Thüringen bis in die ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts vor. In ähnlicher Weise sind auch im Scheitel des Bogens die umrahmenden Stäbe durch drei rund gebogene Stäbe durchschnitten. Auch das ist eine Erinnerung an gothische Bauweise, welche die Renaissance in Thüringen lange bewahrte.