Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1971

 Der damalige Heimatpfleger Adalbert Bringmann betrachtete den Thüringerwald-Verein Coburg als einer der „ersten Adressen“, wenn es um Heimatpflege ging. Daher wurde auch seine  folgende, kleine Schrift abgedruckt. Aus dem Projekt einer Trachtensammlung ist allerdings offensichtlich nichts geworden. Nachtrag: Lt. Hinweis hat allerdings das Museum in der Alten Schäferei, Ahorn eine Trachtensammlung. Und dennoch sind die hier ausgedrückten Gedanken auch heute noch aktuell.

 Coburger Trachtenmuseum geplant.

 Heimatpfleger Adalbert Bringmann spricht uns Wanderer anregend an

 Vor einem Jahr haben wir unseren Wanderfreund Adalbert Bringmann als neuen Heimatpfleger für den Landkreis Coburg vorgestellt. Wie sehr er in dieser Eigenschaft zum anerkannten „Feuermelder vom Dienst" geworden ist, beweist der Entschluss Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Stammbergers, ihn auch zum Heimatpfleger für die Stadt Coburg zu berufen. Als solcher spricht Adalbert Bringmann unsere Leser heute erneut an, um den um Mithilfe gebetenen Thüringerwald-Verein für ein Trachten-Vorhaben zu interessieren.

 Wer sich die Heimat erwandert und dann noch schauend ganz ihr aufgetan ist, der besitzt sie wirklich; der fühlt sich selbst als einen Teil von ihr; der findet sich rückschauend auch als Glied jener Kette von Ahnengestalten, die diese ihre und unsere Heimat durch ihr Menschenwerk geformt haben. Der Wanderfreund dürfte wohl die tiefste Beziehung zu unserem Land, zu unserer Stadt besitzen.

 Ihm ist auch ein dörfliches Rathaus — im Schwarz-Weiß seines Fachwerks, mit einem kecken Dachreiter versehen, in dem eine Glocke hängt — ein Gebild, das er, kommt er wieder einmal durchs Dorf gewandert, wie einen alten Bekannten begrüßt. Er lässt sich vom Bergwind der Lauterer Höhen umwehen und schaut dabei hinüber, wo im Blau der Ferne die Veste über der Stadt thront, sieht die Schlankheit des Morizturmes und den Glanz auf den Dächern der geliebten Stadt. Muß man ihm von den Anliegen der Heimatpflege in Stadt und Land sagen? Muß man ihm von der Gefährdung des Dorf- und Landschaftsbildes berichten? Nein! Wenn einer aufgeschlossen ist für bewahrende, erhaltende Kräfte, dann er, der sich ja auch wohl zu ihnen zählt. Wer z. B. die Fassung einer Waldquelle, die kraftmeiernde Dummheit oder Bosheit zerschlagen hat, in vielen Freizeitstunden mühsam wiederherstellt, der wirkt ja bereits aktiv in der Heimatpflege mit. Deshalb hat mich der herzliche Anteil der Wanderfreunde an meiner Berufung nun auch zum Stadtheimatpfleger sehr erfreut und ermutigt.

Unser Thüringerwald-Verein hat ja auch die Pflege des Brauchtums seinen Aufgaben zugeordnet. Dabei wird eine Seite der Heimatpflege durch die Wanderfreunde aufgeschlagen, die mich direkt angeht. Es gehören dazu Volksmusik, Volkstanz und Mundartdichtung, die wiederum untrennbar mit der alten — ja fast schon verschollenen — Volkstracht verbunden sind.

Es wäre wunderschön, wenn sich unter den Wanderfreunden eine Gruppe bilden würde, die sich vornimmt, alte Trachten zu sammeln, und die mit nadelgewandten Mädchen und Frauen solche coburger Trachten bis ins Detail nachbildet!?

Die Stadt Coburg, so wurde mir von Verkehrsdirektor Gerhard Fuhrmann versichert, wäre an einer solchen Bemühung sehr interessiert. Hilfe würde nicht ausbleiben. Eine Gruppe von Paaren in Tracht, das Volkslied unserer coburgischen Heimat, dazu die Mundart pflegend — könnte man sich wohl einen volleren heimatlichen Klang vorstellen? Wie war's?

Mit dieser Anregung darf sich empfehlen

Euer Heimatpfleger               

 Adalbert Bringmann