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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1994

 

Hier möchte ich vorausschicken, dass ich heute manches nicht mehr so formulieren würde. Mit der „A 73“ haben wir uns arrangiert, zumal sie längst nicht so frequentiert wird wie – je nach Standpunkt – befürchtet oder erhofft. Auch die Belastungen auf der Sennigshöhe haben sich - bisher - in Grenzen gehalten, vor allem wegen der Führung in einem Einschnitt.

Allerdings ist auch heute noch zweifelhaft, welchen wirtschaftlichen Nutzen die „ICE“-Strecke bringt. Der regelmäßige Halt, gar im Zweistundentakt, wird zwar häufig gefordert, die Realisierung steht aber nach wie vor aus. Inzwischen sind andere Projekte strittig: am spektakulärsten die neue Hochspannungs-Stromleitung durch das Coburger Land sowie ein neuer Flugplatz. Am meisten Wiederstand wird derzeit gegen die Hochspannungsleitung vorgebracht. Die sog. Trassenbündelung ist ja in meinem Artikel erwähnt, streckenweise soll auch noch diese Hochspannungsleitung hinzukommen.

Was die Wanderwege angeht, so sind alle markierten Wanderwege aus dem Lautertal zur Sennigshöhe gebündelt über die Autobahn geführt worden. Bezüglich „Carl-Escher-Weg“ und Bahntrasse ist es wohl so, dass er unter einer Brücke verläuft (Bausenberg) oder auch über der Bahnstrecke, weil diese im Tunnel verläuft (zwischen Lauterburg und Herzogsbrunnen).

 Schatten über der Sennigshöhe

„A 73" gefährdet Alexandrinenhütte

 Wer erwartet und gehofft hatte, daß nach der Debatte über die ICE-Neubaustrecke die Zumutungen des obrigkeitlichen Planens erschöpft wären, der sah sich ge-und enttäuscht.

 Es soll also nicht etwa dabei sein Bewenden haben, daß die stählerne Barriere einer Bundesbahn-Hochgeschwindigkeits-Neubaustrecke das Co-burger Land teilen soll. Ich fürchte, daß die Konsequenzen dieses Projektes vielfach noch nicht klar sind. Die Neubaustrecke trennt hermetisch altgewohnte Verbindungen, die meisten Feld- und Waldwirtschaftswege und wohl auch Fahrstraßen von untergeordneter Bedeutung. Unter anderen werden wohl auch unsere Wanderwege, an denen Generationen gearbeitet hatten, zertrennt werden. Das Hauptproblem hinsichtlich unserer Wanderwege wird ja sein: Sicher wird es über die Autobahn- und die Eisenbahntrasse Unter- bzw. Überführungen gaben. Die Frage ist nur, wo. Sicher nicht da, wo wir sie brauchen können, denn es sollen die Durchlässe ja auch von der Land- und Forstwirtschaft genutzt werden können. Ich halte es für ausgeschlossen, daß die Unterführungen stets so liegen werden, daß die Umlegung des Wanderwegs noch sinnvoll ist. Verabschieden dürften wir uns in jedem Falle vom „Carl-Escher-Weg". Dieser wird, egal ob die Autobahn nun im Westen kommen wird oder im Osten, durch „IGE" und „A 73" mehrfach unterbrochen. Sollte die Unheilsidee einer Trassenbündelung zwischen „ICE" und „A 73" im Osten Coburgs Realität werden (sogenannte Wahl-Linien „B" und „C"), dann ist folgendes festzustellen. Wie man aus den Raumordnungsunterlagen bezüglich der Itztalbrücke weiß, wird diese 14 m breit[1]. Dieses auf gerader Strecke ohne Steigung. Da eine Eisenbahnstrecke einen anderen Bedarf an Kurvenradius und Steigung hat, kann man sich leicht ausrechnen, daß im Hangbereich an einer Kurve die Schneisen von erheblicher Breite anfallen. Wo sollen dann Brücken, wo Unterführungen entstehen? Allenfalls werden solche Unterführungen für öffentliche Straßen geschaffen werden, die dann vom Wanderer mitbenutzt werden müssen.

 Nun hatte es sich schon abgezeichnet, daß neben der Transitschienenbahn auch noch eine Autoutobahn-Nord-Süd-Verbindung auf uns zukommen würde. Hierzu gleich eine Klarstellung. Natürlich leben wir hier nicht in einem Naturschutzgebiet und schon gar nicht in der „heilen Welt". Den Neubau von Kraftfahrtstraßen werden wird wohl nicht ganz vermeiden können. Es fragt sich aber doch, ob eine neue Autobahn ausgerechnet über den Thüringer Wald führen muß. Wenn wir uns nämlich eine Deutschland-Karte mit Geländedarstellung betrachten, dann werden wir feststellen, daß gerade der Thüringer Wald - vielleicht neben dem Harz - das mächtigste Hindernis zwischen den sogenannten alten und neuen Bundesländern ist. Es liegt wohl auf der Hand, daß der Bau hier mit unverhältnismäßig hohen Kosten verbunden ist. Nun wird den Umweltschützern ja gelegentlich vorgeworfen, ihnen seien Biotope wichtiger als menschliche Siedlungen. Das ist nicht wahr. Schon deshalb nicht, weil natürlich jeder Umweltschützer weiß, daß heutzutage die gößte Gefährdung der Umwelt neben Industrie und Verkehr von dem Tourismus- und Freizeitgeschäft ausgeht. Bekanntlich leben wir ja angeblich in einem einzigen „Freizeitpark"[2]. Wir müssen doch dankbar für jeden sein, der noch damit zufrieden sein kann, sich auf der Terrasse des eigenen Hauses zu erholen, der noch mit wenigen Schritten, mit einer kurzen Fahrt mit dem Fahrrad Ausgleich in der Natur finden kann, der nicht darauf angewiesen ist, auf der Suche nach der „heilen Welt" erst hundert Kilometer mit dem Auto zu fahren. Daher finde ich es einen völlig indiskutablen Vorgang, wenn in diesem Zusammenhang im Coburger Kreistag von „Weltverbesserern, die im grünen wohnen" gesprochen worden ist." All dies ist durch Projekte wie „ICE" und „A 73" gefährdet.

Was haben wir denn von noch so tollen „Jobs „, von all dem Wohlstand, wenn wir nicht einmal mehr in der Lage sind, uns im eigenen Garten, zu erholen? Wenn wir uns hinter Schallschutzfenstern verstecken müssen, wenn Kinder bei Sommerwetter wegen des berüchtigten „Ozonsmogs" nichts ins Freie sollen?

 Im Mittelpunkt wirtschaftlichen Planens und Handelns muß der Mensch stehen. Ein scheinbar noch so erfolgreiches Wirtschafts-System, das nicht das Wohl der lebenden und arbeitenden Menschen befördert, kann nicht richtig sein. Das gilt ebenso auf regionaler Ebene. Mensch, Wirtschaft und Umwelt, das sind Werte, die nur bei kurzfristiger Betrachtung etwa gegeneinander ausgespielt werden können. Auf längere Sicht wirken sich Umweltschäden auch wirtschaftlich negativ aus. Eine gesunde Umwelt ist ebenso ein Wirtschaftsgut, in das zu investieren ist, wie etwa die gesicherte Energieversorgung.

 Doch mehr zu diesem Thema von unserem Naturschutzwart (Bericht über die Jahteshauptversammlung im gleichen Heft). Einen Erfolg hatte der Streit gegen die „A 73" auf der Sennigshöhe bereits. Bei Außenaufnahmen für das Titelfoto an einem schönen Sonntag im März fand ich eine Geldbörse mit Bargeld, zwei Scheckkarten und einer ganzen Reihe von Ausweisen. Ich konnte sie noch am gleichen Tag dem Verlierer zurückgeben. Der „Finderlohn" wurde als Spende an den Verein weitergeleitet.

 Midas 2000

 Irgend jemand verstieg sich im Rahmen der Diskussion um die neuen Verkehrswege zu der Behauptung, die „A 73" sei „lebenswichtig". Das stimmt so ganz sicher nicht. Lebenswichtig sind vielmehr ganz andere Dinge: fruchtbarer, nahrungs-spendender Boden, sauberes Wasser, atembare Luft. Der Bayerische Rundfunk, gewiß nicht grüner Ideologie verdächtigt, hat dies in der jüngst ausgestrahlter Sendereihe „Gefangene der Sonne" eindrucksvoll bestätigt.

 Ein im mehrfachen Sinne „klassischer Irrtum". Wie klassisch, das beweist ein Blick in die Mythologie des Altertum. In Märchen und Mythen spielt sich menschliches Denken und Handeln samt aller damit verbundenen Schwächen und Irrtümern wieder.

 Die Weisen der damaligen Epoche wussten wohl, daß der Mensch dazu neigt, materiellen Reichtums wegen seine natürlichen Lebensgrundlagen zu gefährden. Der römische Dichter Ovid, geboren 43 v. Chr., zeichnete die Sage auf von Midas, König von Phrygien (in Kleinasien), Sohn einer Göttin. Die Götter stellten ihm einen Wunsch frei. Wir ahnen bereits, daß der Begünstigte keinen weisen Gebrauch von dieser Gnade machen würde. Midas äußerte den unseligen Wunsch, daß alles, was er berühre, zu Gold werde. Was er nicht bedachte: auch Speise und Trank wurden Gold und dadurch ungenießbar. Midas bereute und flehte die Götter um Erbarmen an. Diese gaben dem Reuigen noch einmal eine Chance. Er durfte sich

im klaren Wasser einer Bergquelle reinigen. Und in einer schönen poetischen Wendung schließt Ovid:

 „Jetzt noch starrt die Flur vom empfangenen Samen des alten Goldes und flimmert von Gold, das dringt in befeuchtete Schollen." Aber mit Worten wird nicht selten gedankenlos umgegangen. So ein Journalist des Bayerischen Rundfunks unlängst in seinem Mittagskommentar, auch zum Thema Verkehrswegebau und Autobahn Rhein-Main-Donaukanal und so weiter. Sinngemäß äußerte er in diesem Zusammenhang: - jeder, der die Brennerautobahn zur Fahrt in den Osterurlaub benutzen muß - muß?! „Müssen" wir überhaupt?

 Kann natürlich sein, wenn jemand selbst eine Autobahn vor der Haustür hat und nun meint, dem wenigstens für einige Tage entfliehen zu können.

 Hans D. Bürger

siehe hierzu auch A 73 fertig


[1][1] Ganz so dramatisch ist es nicht geworden.

[2] Ausspruch des damaligen Bundeskanzlers