Aus „Das Farnkraut“ Nr. 3/1972

 Vorbemerkung:

Im Jahre 1972 wurde die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen in Frankenthal bei dem heutigen Bad Staffelstein 200 Jahre alt. Dies nahm Georg Gunzelmann, red. Mitarbeiter des Rennsteigvereins Zapfendorf,  zum Anlass, einen Artikel für das „Farnkraut“ zu verfassen. Dies war noch vor der bisher umfassensten Restaurierung der Jahre 1982 – 1990 nach Voruntersuchungen 1974 – 1980 (Dehio). Diese Abhandlung stellt für jemand, der kein ausgebildeter Kunsthistoriker ist, eine ganz beachtenswerte Leistung dar. Die Arbeit zeugt von der ganz besonderen Heimatliebe des Autors.

 Die Wallfahrtskirche ist  „Basilika“. Hier gilt es zu unterscheiden: in der Architektur wird ursprünglich als Basilika ein mindestens dreischiffiger Kirchenbau bezeichnet, bei dem das mittlere Schiff die anderen überragt und durch seitliche Fenster zusätzlich belichtet wird.

Daneben gibt es den Begriff als vom Papst verliehenen, kirchenamtlichen Ehrentitel für ein Gotteshaus, welches für die röm.-kath. Kirche von besonderer Bedeutung ist, unabhängig von Architektur oder Bauweise. Nach der amtlichen Liste ist Vierzehnheiligen mit 1897 als erste in Deutschland dieser Titel verliehen worden (genauer: „Basilika minor“).

 Die Leistung des Baumeisters Gottfried Heinrich Krohne sollte nicht nach den umstrittenen Vorgängen beim Bau dieser Kirche beurteilt werden. Er war sicher kein Ausnahme - Genie wie Neumann, aber beileibe kein Stümper, sondern ein hervorragender Baumeister, deren Werke in Thüringen inzwischen auch die Jahrhunderte überdauert haben. Ohnedies wäre die Frage der Verantwortlichkeit zwischen dem Abt und dem Baumeister noch durchaus zu klären.

 Erwähnenswert wären noch folgende Entwicklungen bzw. Ereignisse: Aufhebung des Zisterzienser -  Klosters 1803, Dachstuhlbrand 1835, Restaurierung 1835 – 1872 mit Übermalungen, Restaurierungen 1915  - 1918 und 1956 – 1959 und schließlich, wie oben erwähnt, ab 1982. Seit 1939 Franziskaner.

Schon den Gründer des Thüringerwald-Vereins Coburg, Emil-Rädlein, hat es immr wieder nach Vierzehnheiligen und zum Staffelberg gezogen. Natürlich war es auch für seine Nachfolger immer wieder ein Ziel.

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Vierzehnheiligen (Vortrag August Marr)

 Vierzehnheiligen_1978 (Fotogalerien)

Vierzehnheiligen

Vierzehnh. Außen

 Vierzehnheiligen

 Zeugnis für Wahrheit, religiösen Reichtum und Macht

 

Nur 200 Jahre sind vergangen, dass die uns allen bekannte Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen vollendet wurde. Am nördlichen Rand des Jura, dort wo die Hügel sanft ins Maintal hinabfallen, stehen sich zwei Bauwerke gegenüber, die wohl in einmaliger Weise Anfang und Ende einer Epoche repräsentieren. Auf der einen Seite das fast beengend wirkende, in sich verschlossene Benediktiner-Kloster Banz, als Vertreter des reinrassig böhmisch-fränkischen Barocks der Gebrüder Dientzenhofer und auf der anderen Seite das magische Bauwerk Vierzehnheiligen, dessen geheimnisvolle Wölbungen wie in einem Leib ineinander spielen, von Balthasar Neumann. Die gewaltige Kirche der vierzehn Nothelfer ist nicht nur die vollendetste Rokokokirche Frankens, sondern eines der glänzendsten Bauwerke der ganzen Epoche.

 Standort

 Vierzehnheiligen steht auf dem Grund der ältesten und vornehmsten Niederlassung der Zisterzienser in Franken[1]. Vierzehnheiligen steht auf Kloster Langheims Boden. Langheim, bereits 1132 gegründet, war zur damaligen Zeit einer der bedeutendsten kulturellen Mittelpunkte des ganzen Landes. Schon 1401 wurde Kloster Langheim zum freien, unmittelbaren Reichsstand erhoben. Zum Langheimer Besitz gehörte auch der Hof Frankenthal, der im Maintal gelegen war.

 Der Beginn

 Und hier auf einem Acker des Hofes Frankenthal beginnt die Geschichte der weltberühmt gewordenen Wallfahrtskirche. 1445 hatte der Kloster-Schäfer Hermann zwei Erscheinungen, die sich 1446 wiederholten. Ein freundliches Kindlein saß bei der dritten Erscheinung mit vierzehn anderen Kindern zusammen auf dem Acker. Auf Anruf erklärten sie dem Schäfer, dass sie an dieser Stelle eine Kapelle haben möchten und die vierzehn Not-Helfer seien. In dem ältesten gedruckten Bericht über diese Erscheinungen wird 1519 davon berichtet, dass bei der letzten Erscheinung nur 2 helle Kerzen an der Stelle der drei ersten Erscheinungen auftauchten. Im Kloster war man gegenüber den Berichten Schäfers sehr misstrauisch. Doch schon bald musste man sich eines besseres besinnen. Eine Magd in Langheim wurde am 18. Tag nach der Erscheinung durch Anrufung der vierzehn Not-Helfer geheilt. Das Kloster ließ an der Erscheinungsstelle ein Kreuz errichten.

 Glaube an die vierzehn Nothelfer

 Die vierzehn Nothelfer spielen zu jener Zeit in der ostfränkischen und süddeutschen Geschichte eine ganz besondere Rolle. So wird 1426 erstmals in Wunsiedel ein Nothelferaltar erwähnt. 1441 werden die 14 Nothelfer bei der Einweihung einer Karmelitenkirche in Bamberg genannt. Richard Teufel spricht auch davon, dass die vierzehn Nothelfer in Langheim selbst zu jener Zeit in einer vor den Toren des Klosters liegenden Kapelle, aus romanischer Zeit, verehrt wurden. Schon 1284 hat es einen Nothelferaltar in Krems gegeben. 1320 werden nachweisbar die vierzehn Nothelfer in Regensburg in der Dominikanerkirche verehrt.[2] Um 1400 wird die Verehrung der vierzehn Nothelfer in großem Umfang angenommen. Die Verehrung der vierzehn Nothelfer erlangt ihren Höhepunkt in 15. und frühen 16. Jahrhundert. Es gilt als gesichert, dass die Begrenzung auf die Zahl 14 von Vierzehnheiligen aus gekommen ist. Um den starken Glauben an die vierzehn Nothelfer zu verstehen muss man sich die damalige Zeit vergegenwärtigen. Die Welt war wahrlich alles andere als ein Paradies. Kein Wunder also, dass sich der Glaube an die vierzehn Nothelfer bis Silenen in der Schweiz fortgesetzt hat. Es war die Zeit, als die Hussiten ihre Nachbarländer grausam verwüsteten. Die Vormachtstellung des Reiches im Osten und Südosten war verloren gegangen. Vergeblich versucht das Konzil in Konstanz zu einen was nicht mehr zu einen ist. Es ist die Zeit, in der Jeanne d'Arc in Frankreich ihr legendäres Leben lebt. Im Osten sind die Türken im Vormarsch. Die Pest durchzieht das ganze Land.

 Die erste Kapelle

 Ein Coburger Geistlicher war es, der Spitalmeister Hermann Weise von Sankt Georg[3], der zu den ersten Förderern für die Ausbreitung des Ruhmes der neuen Wallfahrtsstätte Vierzehnheiligen gehört. Eine erste Holzkapelle wird gebaut. 1525 wird die Gnadenstelle im Bauernkrieg dem Erdboden von Staffelsteiner Bürgern gleichgemacht. Auf Geheiß des Prälaten zu Langheim und des Bischofs Weigand von Bamberg[4] wird die Kapelle wieder aufgebaut. Man trägt ihrer steigenden Bedeutung Rechnung. Die Kapelle hat etwa die Außenmaße der Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg. Im 30-jährigen Krieg wird diese Kapelle arg mitgenommen.

Allmählich erholt sich Deutschland von den Kriegen. Der Mathematiker Leibniz erfindet die Integralrechnung. Es ist die Blüte des Barockzeitalters. In Wien entsteht die Hofburg, in Würzburg die Residenz, in München die Schlösser Nymphenburg und Schleißheim, in Dresden der Zwinger, in Berlin das Königliche Schloß. Es ist die Zeit des großen Johann Sebastian Bach. Die Blüte geht auch an Kloster Langheim nicht vorbei. Langheim ist ein sehr reiches Kloster.

 Geburtsstunde der heutigen Wallfahrtskirche

 Sie liegt im Spannungsfeld zweier bedeutender Persönlichkeiten ihrer Zeit. Da war Friedrich Carl, Graf von Schönborn[5], Bischof von Bamberg und Würzburg, Fürst des Heiligen römischen Reiches und der Abt des Zisterzienserklosters zu Langheim Stephan Mösinger[6]. Während Mösinger als sehr eigenwillig gilt, war Friedrich Carl damals mit fast 70 Jahren neben seinem Freund, dem Prinzen Eugen, der größte Bauherr Deutschlands.

Am 1. April 1735 gibt Mösinger den Anstoß zum Bau einer neuen Wallfahrtskirche per Brief. Friedrich Carl antwortet nicht. Am 28. Mai und 31. August 1735 musste der Abt mahnen. Am 13. Dezember schließlich ist es soweit, der Fürst-Bischof sprach in seinem Schreiben an Mösinger nur noch über die Probleme der Geldbeschaffung. Die Einwilligung zum Bau der neuen Wallfahrtskirche war grundsätzlich gegeben. Die Diskussion über die Finanzierung des Bauwerkes verläuft über einige Jahre hinweg. 1739 schließlich versucht der Abt die künstlerische Oberhand zu gewinnen. 1741 ist endlich die geldliche Seite geregelt. Nach den Wünschen von Mösinger soll den Bau der Kirche der Landbaumeister des Fürstentums Sachsen-Weimar, der Hofarchitekt Krohne[7], übernehmen. Krohne ist Protestant. Er kommt künstlerisch gesehen aus der sächsischen Baukunst und baut schon 1735 in Langheim[8]. Verschiedene Hinweise lassen vermuten, dass Krohne bereits 1729 in Langheim gebaut hat.

 Balthasar Neumann

 Der Hofarchitekt von Friedrich Carl ist der Egerländer Balthasar Neumann[9]. Seit 1710 ist Neumann in Würzburg ansässig. Neumann ist Baudirektor für das gesamte Militär- und Zivilbauwesen der beiden Bistümer. Neumann hat seine Erfahrungen in Frankreich und Österreich geholt. Er gilt als weitblickend und weltoffen.

Obwohl von verschiedensten Baumeistern Pläne für den Neubau von Vierzehnheiligen eingereicht werden, bleibt der Günstling des Grafen Schönborn, Balthasar Neumann. Auf speziellen Wunsch Friedrich Carls soll die Achsenrichtung des Neubaues auf Banz ausgerichtet sein. Das Bauwerk soll mindestens in der gleichen Größe errichtet werden. Nach Möglichkeit größer. Neumann hatte bei den Vorbesprechungen mit Friedrich Carl die Vision, dass sich Kloster Banz im Portaldurchblick der neuen Wallfahrtskirche spiegeln sollte wie »ein gar lieblich Bildchen«. Die ersten Entwürfe entstehen in der alten Besenbinderkneipe von Lichtenfels, die einst dort gestanden hat, wo heute die Eisenbahnüberführung zu finden ist.

Neumann baut zu jener Zeit an der Würzburger Residenz, neue Gottesräume im Bezirk Bamberg, in Pretzfeld, Kerschbach, Zapfendorf, Bechhofen, Gunzendorf, im Bezirk Würzburg die Spitalkirche zu Ebern, die Filialkirche zu Lohr, die Pfarrkirchen Gaukönigshofen, Eeuerhausen, Helmstadt, Höchstadt, Sulzdorf, Retzstadt, Schlüsselfeld, Arnstein, Kolitzheim, Herlheim, Kürnach, Sulzheim, Bolzhausen, Stedtfeld, Wiesent-heid, Großmannsdorf, Astheim und Schwarzenberg. Nicht zu vergessen die Kirchen zu Gaibach und Etwashausen, zu Löffelsterz und Ochsenfurt und natürlich das beherrschende Bauwerk Münster-Schwarzach im Kitzinger Gau. Zur selben Zeit entsteht die Jesuitenkirche zu Mainz, dazu Straßen, Brücken und Festungen. Naumann hat in jenen Tagen bereits 20 Kirchen gebaut. Regelmäßig inspiziert Neumann seine Baustellen per Kutsche und zu Pferd.

Neumanns Bauweise

Manchmal mauert Neumann mit. Eine seiner bedeutendsten Erfindungen: An den besonders beanspruchten Stellen des Gewölbes setzt Neumann schmiedeeisernere Bänder ein. Der Mörtel wird nach alten Maurergeheimnissen angemacht. Ein Teil grober Sand wird gemischt mit 2 Teilen Mainsand, dazu fetter gelöschter Kalk und Ochsenblut. Diese Masse wird härter als der härteste Stein.

überhaupt setzt sich Neumann viel mit den modernen Strömungen und Erkenntnissen seiner Zeit auseinander. So wird die Tragfähigkeit der Gewölbe von Neumann mit der erst kürzlich von Leibniz erfundenen Integralrechnung berechnet. Neumann ist obwohl aus Böhmen kommend der typische Vertreter der Stilrichtung des Deutschbarock. Die hochbarocke Basilika des 17. Jahrhunderts löst Neumann auf in totale Architektur. Er gestaltet den neuen Raum aus in sich verzahnenden, selbständigen Elementen, deren äußeres Merkmal es ist, aus miteinander aus-und einschwingenden Kurven zu bestehen. Die Fassaden werden von Neumann extrem stark aufgelockert. Sie wirken wie ein einziges rauschendes Wogenmeer.

Die Erfahrungen beim Bau von Vierzehnheiligen werden später von Neumann noch einmal sehr konsequent verwendet bei der Gestaltung der Klosterkirche zu Neresheim[10]. Noch heute kann der Besucher von Neresheim die offene Architektur bewundern, denn Neresheim ist frei von jeglichem barockalem Schmuckwerk, es ist klassizistisch eingerichtet.

 Der verpfuschte Bau Krohnes

 1743, am 23. April erfolgt die Grundsteinlegung für die neue Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Die Bauleitung übernimmt der Protestant Krohne. Zusammen mit dem Abt Stephan Mösinger versucht Krohne die Pläne Neumanns, soweit es möglich ist, zu umgehen. Eigenmächtig verlegt er den Gnadenaltar irgendwo ins Langhaus. Eigenmächtig verlegt er auch die Achse der gesamten Kirche. Krohne hat keine Beziehung zum katholischen Glauben. Und so kommt, was kommen musste. 1743 besucht Neumann und Küchel auf einer Reise in die Bamberger Festung Kronach auch die Baustelle Vierzehnheiligen. Die Mauern sind bereits 3 m hoch errichtet. Neumann ist über die Veränderungen böse und ungehalten. Am 30. Dezember verfasst Neumann in Bamberg eine ausführliche Denkschrift und fasst seinen Protest in 12 Punkten zusammen. Dabei fällt auf, dass Neumann besonders gegen hölzerne Gewölbe ankämpft. Er will massive Gewölbe haben.

 Neumann entwirft einen neuen Plan. Grundriss und Aufriss ist Gößweinstein nicht unähnlich. Die Achse der Kirche wird um 23° westlich gedreht, um in der Schaurichtung wieder auf die Achse von Banz zu kommen. Die Stelle, an die der Gnadenaltar kommt, wird architektonisch wieder wirksam gemacht. Die Umfassungsmauern der Ostpartie werden beibehalten. Ebenso der basikale Querschnitt und die kreisrunden Querhausarme. Neumann gelingt unter Zwang ein Grundriss mit 3 in der Längsachse miteinander verbundenen Ovalen und einer kühn ausgebildeten Gewölbekonstruktion aus paraboloiten Bögen. Auf diese Weise entsteht der einmalige Reiz des Bauwerkes Vierzehnheiligen, der magische Raum, der Raum im Raum, die Kraft gegen Kraft, der Raum gegen Raum, der typische Neumann. Vierzehnheiligen zwingt jeden Besucher in seinen Bann.

 Maß und Zahl in Neumanns Bauwerken

 Neumann ordnet den gesamten Grundriss seiner Gebäude in einem Grundkreis ein. Alle Teile beziehen sich auf einen Mittelpunkt. Der Rest der Architektur ergibt sich planmäßig. Achsen und Diagonale, Dreiecke und Vierecke formen den Plan. Hauptschlüsselzahl ist die 1 2 3. Mit 123 Fuß Zirkelweite legt Neumann auch bei Vierzehnheiligen den Grundkreis. Dadurch werden die Maßbeziehungen des Triangels, der

Vierung und des Fünfecks in sehr harmonischen Einklang gebracht. In den Grundkreis mit dem Radius 123 Fuß legt Neumann ein Sechseck. In dieses Sechseck wieder einen Kreis. Es ergibt sich eine Zirkelweite von 106,5. Der Durchmesser beträgt 213 Fuß. Das ist gleichbedeutend mit der Gesamtlänge der Kirche. Schon in gotischen Bauten kann man die als Spielerei erscheinende Umstellung der Zahl 123 zu 213 als Maß immer wieder nachweisen. Neumann setzt das Spiel Kreis-Sechseck-Kreis immer weiter fort. Man nennt dies eine sogenannte »Sechseck-Spinne«. Die Radien betragen 123/106,5/92,3/80/69,2/ 60 und 52. Diese Zahlenreihe wurde übrigens nach Untersuchungen des französischen Abbe de Saint Hilarion auch an einem griechischen Kapital herausgefunden. Den tieferen Zusammenhang erklärt die Wurzel aus der Zahl 3. Man versteht hierunter jene nicht genau errechenbare Zahl, die mit sich selbst multipliziert wieder 3 ergibt. Und 123 mal Wurzel 3 ergibt die Zahl 213 und das ist 2x 106,5. Der Durchmesser des Außenkreises von Vierzehnheiligen beträgt 246 Fuß oder 2x 123 und jetzt kommt das Interessante. Der Unterschied der beiden Kreisdurchmesser beträgt 33 Fuß. Und 33 gilt als die Zahl der Lebensjahre Christi. Eine heilige Zahl also, an dem der Kloster-Schäfer Hermann 1445 das Christkind mit den vierzehn Not-Helfern als Erscheinung gesehen hatte.

 Aber auch an der Fassade und der Außenseite von Vierzehnheiligen lassen sich diese Zahlen-Verhältnisse nachweisen. So beträgt die Außenseite 4x33 = 132 Fuß. Man beachte auch hier wieder die scheinbar spielerische Umstellung von 123 und 213. Man muss dabei allerdings darauf hinweisen, dass das Zahlen-Verhältnis von 132 zu 213 im goldenen Schnittverhältnis steht. Je 33 Fuß Abstand haben die Eckkanten der Pilaster am Chorschluß und an den Querhausenden. Das kleine Querhaus an den Außenkanten und in den Korbrundgewölben misst 33 Fuß. Dem Grundriss liegt mit 132 und 213 als Größtmaße und 33 Fuß als Balkenbreite ein zweifaches goldenes Kreuz zu Grunde.

1744 bekommt Küchel die weitere Bauleitung. Er entwirft auch den Gnadenaltar »auf besondere, neue Fasson«.

1753 stirbt der große Meister Balthasar Neumann. Von 1756 bis 1763 wird der Bau durch den 7jährigen Krieg   erneut   stark  gehemmt.   Baumeister   Küchel[11][12] nimmt an diesem Krieg teil als hoher Offizier. 1769 stirbt auch Küchel.

 Endlich ist es soweit - 1772, nach 28 Jahren Bauzeit ist das Werk vollendet. Eingeweiht wird die neue Wallfahrtskirche von Adam Friedrich Graf von Seinsheim, dem Neffen von Friedrich Carl, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg[13]. Zu den Feierlichkeiten waren gekommen die Weihbischöfe von Bamberg und Würzburg, die Äbte von Langheim und Banz und der Coburger Herzog Franz Josias mit seiner Gemahlin und seinen Kindern.

 

Literatur:

Richard Teufel: Vierzehnheiligen. Verlag H. O. Schulze, Lichtenfels.

Hotz/Maierhöfer: Oberfranken. Verlag H. O. Schulze, Lichtenfels.

Heinrich Mayer: Die Kunst des Bamberger Umlandes. Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg. Eugen Ortner: Balthasar Neumann. Piper-Verlag, München.


[1] Da bin ich nicht ganz dieser Meinung; Ebrach ist noch etwas älter, gilt überhaupt als die erste rechtsrheinische Niederlassung der Zisterzienser

[2] 1453 Vierzehnheiligen bei Jena, Schauplatz der Schlacht „bei Jena“

[3] Georgenspital in Coburg 255

[4] Weigand von Redwitz, 1476 - 1556

[5] Friedrich Carl von Schönborn1674 – 1746; 1705 – 1731 Reichsvizekanzler in Wien, ab 1729 Fürstbischof von Bamberg und Würzburg (WIKIPEDIA)

[6] Stephan Mösinger 1697 – 1751, ab 1734 Abt von Kloster Langheim

[7] Krohne 1703 - 1756

[8] Erhalten nur noch Teile des ehem. Konventbaus; hierzu auch Dehio

[9] Balthasar Neumann 1687 - 1753

[10] Erbaut 1774 – 1792 nach Plänen von Neumann, nach dessen Tod unter Leitung seiner Schüler. Neresheim liegt in Baden-Württemberg, Ostalbkreis („WIKIPEDIA“, downl. 03/12.

[11]

[12] Küchel 1703 - 1769

[13] Seinsheim  1708 - 1779