Aus “Das Farnkraut” Nr. 2/1998

 

Subtropische Nachtigallensuche

Wie alljährlich, lud auch heuer (also 1998) Waldemar Barnickel zur Vogelstimmenwanderung am Muttertag ein, assistiert durch den Naturschutzwart Frank Reißenweber.
Die Auenlandschaft am Obermain war, wie schon öfter bei “Vogelstimmenwanderungen” , das Ziel.
Am Ausgangsort Zapfendorf trafen sich die Coburger mit einer Wandergruppe aus Saargrund, angeführt durch Ortsvereinsvorsitzenden Ludwig Wächter.
In einem unterschied sich diese Wanderung von den Vorjahren: die Temperaturen sollten hochsommerlich werden.
In den Flußauen am Main war der Frühling voll erwacht. Frank Reißenweber identifizierte die einzelnen Sänger nach Art, meist waren sie optisch nicht oder kaum wahrzunehmen. Er erläuterte den biologischen Grund für den Vogelgesang: die Männchen behaupten ihr Revier gegenüber Artgenossen und locken Weibchen an. An mehreren Stellen war auch heuer wieder die Nachtigall zu vernehmen (eben nicht „Frau" Nachtigall, wie es in manchen Gedichten bzw. Liedtexten heißt).
Diese Vogelart ist durchaus wieder auf dem Vormarsch und heute nicht unbedingt selten. Sie stellt neben dem Lebensraum (Laub- und Mischwälder mit reich entwickelten Unterholz, eben auch Auenwälder, auch städt. Parkanlagen) aber auch Ansprüche an das Klima, sucht die Wärme und ist daher im Bergland kaum anzutreffen, dafür in Flußtälern, im Itz-grund beispielsweise bis Coburg.
Aber auch verschiedene Grasmückenarien, Singdrosseln, Schilfrohrsänger, natürlich jede Menge Amseln waren zu sehen bzw. zu vernehmen.
In einem Baggersee nahe Ebing war ein Haubentaucherpaar zu beobachten.
Kuriosum am Rande: in Ortsnähe drehte ein offensichtlich entflogener, weißer Kakadu seine Runden. In Nähe des Haltepunkts Ebing waren Eisenbahn und „B 173"  (inzwischen “A 73”, Anm.) zu unterqueren und dann die alte Bundesstraße zu überqueren.
Gegenüber ging es steil in Laubwäldern den „Hängberg" hinauf. Unterwegs kam auch das Pflanzenreich zur Geltung: u.a. waren mehrere Exemplare des Aronstabs sowie einige allerdings noch nicht erblühte Türkenbundlilien zu entdecken.
Eine kurze Rast wurde an der Antoniuskapelle eingelegt, überraschenderweise brannten im verschlossenen Innenraum Kerzen.
Oben auf der baumfreien Hochfläche brannte dafür etwas anderes, nämlich die Sonne der nahenden Mittagszeit. Dafür eine umfassende Fernsicht von den Eierbergen über Kloster Banz, den Staffelberg und den „Veitsberg". In Sassendorf erwartete uns die Mittagseinkehr. Ein Mitwanderer betörte zuvor noch einige krapfenbackende Frauen, bis sie ihm eines ihrer Erzeugnisse überließen.
Nach der Mittagseinkehr in einer urigen Gastwirtschaft ging es weiter in die mittagliche Hitze. Bald aber nahm uns der Schatten eines Laubwaldes auf. Entlang der Markierung „Pfaffenritt" des Rennsteigvereins ging es über Lauf nach Zapfendorf zurück.
Ehrenvorsitzender Franz Geßlein dankte den Führern Waldemar Barnickel und Frank Reißenweber im Namen aller für diesen schönen und interessanten Wandertag.
-hdb-