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Für Bilder von Vierzehnheiligen bitte klickenLandkr Lichtenfels 

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Wir haben ja in den vergangenen Jahren schon einige Vorträge von Dr. Walter Folger, Bamberg beim Thüringerwald-Verein gehabt, aber dieser war doch von allen der Eindrucksvollste.

Es ging um die Wallfahrts-Basilika „Vierzehnheiligen“ in Frankenthal bei Bad Staffelstein und vor allem auch um  Balthasar Neumann.

Der Referent erläuterte kurz die Vorgeschichte dieses  Bauwerks, nämlich die wundersamen Erscheinungen in Frankenthal, wie der Ort ursprünglich heißt ab dem Jahre 1443. Folger stellte anhand von Abbildungen die Vorgängerbauten der heutigen Basilika vor sowie zeitgenössische Darstellungen dieser Erscheinungen sowie die vierzehn heiligen Nothelfer.

Er stellte vor allem auch den hautsächlichen Schöpfer dieses einmaligen Werkes vor, nämlich Balthasar Neumann (1687 Eger – 1753 Würzburg), wobei er unterstrich, dass Neumann von seinem Werdegang her ursprünglich  Artillerie-Offizier gewesen ist.

Weitere für den Bau wesentliche Persönlichkeiten waren die Fürstbischöfe von Bamberg, damals oft in Personalunion mit Würzburg oder anderen geistlichen Fürstentümern (z.B. Main) sowie die Äbte des damals reichen und mächtigen Zisterzienserklosters Langeheim.

Der Bau der barocken Basilika 1743 – 1772 war ein Abenteuer besonderer Art. Die Bischöfe - vor allem die Schönborns -  bevorzugten als Haus- und Hofarchitekten Balthasar Neumann, die Äbte hingegen bemerkenswerter Weise einen Protestanten, nämlich den Hofarchitekten mehrerer sächsisch – thüringischer Fürstentümer, Gottfried Heinrich Krohne (1703 Dresden – 1756 Weimar).  In Abhandlungen über die Geschichte Vierzehnheiligens wird diesem angekreidet, dass er versucht habe, die genialen Planungen Neumanns zu konterkarieren. Krohne war sicher kein Genie vom Range Neumanns, aber beileibe kein Stümper (u.a. Stadtschloss Eisenach). Er  handelte, wie neuere Kunsthistoriker angeben, im wesentlichen auf Weisung des Langheimer Abtes, dem es um Kostenersparnis zu tun war (so R. Suckale u.a. in „Bamberg, ein Führer zur Kunstgeschichte….“, 1993). Es nötigt Staunen und Respekt ab, was die damaligen Baumeister leisteten - rein praktisch betrachet. Neumanns Aktionsradius reichte von Trier und Brühl bis Kronach, wie konnten diese Leute dies in einem Zeitalter ohne Auto, Handy und Computer überhaupt bewältigen?

Aber Dr. Folger betonte auch, dass gerade diese Eingriffe und Abweichungen von Neumanns ursprünglicher Planung diesen herausforderten, sein absolutes Genie eindrucksvoll zu beweisen. Wäre demnach alles „nach Plan“ verlaufen, dann wäre in Vierzehnheiligen sicher ein hervorragendes, aber kein einmaliges Werk entstanden. Die Position des Gnadenaltars ist Folge der Abweichungen vom Plan Neumanns - aus Kostngründen war der Bau um einiges versetzt worden. Der Gnadenaltar sollte aber auf dem überlieferten Ort der Erscheinungen errichtet werden. Auf diese Weise kam die Position im Langhaus zustande - das wich von jeder Tradition ab, dergleichen ist auch nicht etwa in der Wieskirche oder einer Asam-Kirche zu finden.

Die Geschichte verlief auch nach der Einweihung im Jahre 1772 weiterhin recht wechselvoll. Schwere Schäden kamen durch die Säkularisation 1802 und einen verheerenden Brand  1835. Die ursprüngliche Malerei eines Appiani  wurde im 19. Jhdt. durch neue im damals modischen „Nazarener“-Stil ersetzt.

Dann später erfolgten Renovierungen und die behutsamen Versuche, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, zuletzt  1982 – 1990.

Dr. Folger würdigte auch die am Bau Neumanns beteiligten sonstigen Künstler und Handwerker. Er  stellte die einzelnen Nothelfer anhand von alten Darstellungen und anhand der Statuen in der Wallfahrskirche vor.

Besonders  berührte es die Zuschauer, als Dr. Folger eine Auswahl von Votivgaben und insbesondere Votivbildern zeigt. Von der Entstehung er reichten diese etwa 200 Jahre zurück und dann bis zu den Schrecken des 2. Weltkrieges. Immer wieder wurden Unglücksfälle aus dem Alltagsleben und die wundersame Rettung dargestellt.

Der Vortrag schloss mit einem Rundgang im warmen Licht eines Frühlingabends.

Tief bewegt und beeindruckt dankten die Zuschauer für diesen einmaligen Vortrag.