Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1972

 Schon immer mussten die im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine organisierten Gruppen „mit der Zeit“ gehen. Und das hieß ab Mitte der 60er Jahre, der Entwicklung zur Motorisierung Rechnung zu tragen. Auf diese Weise entstanden Rundwanderwege, die von einem rechtlich abgesicherten, ausdrücklich hierzu gewidmetem  Parkplatz aus erschlossen sind. Im Bereich des Thüringerwald-Vereins Coburg entstanden auf diese Weise 7 Rundwanderwege, Länge zwischen 6 und 12 Kilometer. Auch Kommunen – beispielsweise Weitramsdorf – folgten diesem Beispiel. In der folgenden Denkschrift bekräftigte der damalige und langjährige Präsident Deutscher Gebirgs- und Wandervereine (heutige Bezeichnung: Deutscher Wanderverband) diese Idee.

 Verbandspräsident Dr. Georg Fahrbach:

Rundwanderwege und Wanderparkplätze in ganz Europa

 Es sind nun bald 20 Jahre her, daß wir im Schwäbischen Albverein begonnen haben, für die Schaffung von »Oasen der Ruhe« und von »Rundwanderwegen«, später auch von »Wanderparkplätzen« einzutreten. Als ich das erste Mal davon sprach, daß wir uns um die Anlegung von Parkplätzen für Autofahrer, die wandern wollen, kümmern müssen, haben einige unserer Wanderfreunde hell hinausgelacht, andere sagten resignierend: »So weit sind wir gekommen!« Heute wissen wir, daß dieser Vorschlag richtig war. Wir sind also nicht nur mit der Zeit gegangen, sondern in mancher Entwicklung Schrittmacher geworden. Die »Oasen der Ruhe«, aus denen dank Alfred Toepfers[1] Initiative bald große Naturparke wurden, die Wandparkplätze und die Rundwanderwege kamen, wie man jetzt sieht, gut und rasch an. Heute haben wir im Bundesgebiet etwa 40.000 km bezeichnete Rundwanderwege und mindestens 30.000 Wanderparkplätze. Sie sind angelegt draußen in der Natur für die Menschen, die in ihrem Auto - meist mit der ganzen Familie - zum Wandern anfahren, ihren Wagen in Gesellschaft anderer (was ihrem Schütze dient) auf diesen unter Mithilfe der Forstverwaltungen, der Kreise und Gemeinden angelegten Wanderparkplätzen abstellen und dann ganz nach Lust und Laune oder aber auf den von unseren Vereinen markierten Rundwanderwegen wandern. Diese neue Art des Wanderns hat sich eindeutig bewährt. Das Auto und die Rundwanderwege haben viel zur Belebung des Wandergedankens beigetragen.

 Vom Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine ging der Antrag auf Einführung eines offiziellen Wanderparkplatzschildes aus. Es hat lange gedauert, bis das Schild in seiner Art feststand und von allen zuständigen nationalen und internationalen Stellen genehmigt war. Wir haben seinerzeit - viele haben das schon wieder vergessen! - einen Wettbewerb für ein gutes Schild ausgeschrieben. Ausgewählt wurde das junge Paar, das so frisch dahinschreitet und dem man heute überall in Europa begegnen kann.[2] Es ist also international eingeführt und ist der beste Werber für das Wandern.

 In der Bundesrepublik Deutschland kam der Gedanke mit den Rundwanderwegen und den Wanderparkplätzen gut an; man findet heute überall solche Wege und Parkplätze. Einige unserer Nachbarländer können sich nur schwer an diese neue Art des Wanderns gewöhnen. In manchen Ländern Europas gibt es überhaupt kein Wandern in unserem Sinn.

 Die vor drei Jahren auf der Schwäbischen Alb gegründete Europäische Wandervereinigung wird aber in den nächsten Jahren nicht nur das Wandern publik machen, sondern auch die Wanderparkplätze und Rundwanderwege in allen Ländern Europas einführen. Sie handelt dabei in der Überzeugung, daß in unserem technisierten Zeitalter für die Menschen nichts notwendiger und gesünder ist als die körperliche Bewegung abseits der lauten Straßen in der reinen Luft unserer Berge, Felder und Wälder.


[1] Klaus Toepfer, Unternehmer, 1894 – 1993; lt. WIKIPEDIA „Pionier des Landschafts- und Naturschutzes“, von 1954 bis 1983 Vorsitzender des überregionalen „Vereins Naturschutzpark“.

[2] Der Verband favorisierte allerdings zunächst eine etwas andere Gestaltung in grüner Farbe, was sich wohl vor allem deshalb nicht durchsetzen konnte, weil weiß und blau die allgemein üblichen Kennzeichnungsfarben für Parkplätze sind.