Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1973

 Franken hat Bayerns schönste Wanderwege

 Streibl: Wandervereine, unentbehrliche Verbündete für eine gesunde  Umwelt

 Als Staatsminister Max Streibl[1] zur Bamberger Jahrestagung des Fremdenverkehrsverbandes Nordbayern über »Fremdenverkehr und Naherholung im Blickpunkt von Raumordnung und Umwelt« sprach, war der bayerische Landesverband unserer Gebirgs-und Wandervereine gut und interessiert vertreten. Er durfte sich unmittelbar angesprochen fühlen, als der Minister darauf hinwies, daß Nordbayern die meisten Wandervereine habe, die ihm als »natürliche Verbündete im Kampf um eine gesunde Umwelt unentbehrlich« seien.

 Unsere fränkischen Wanderwege bezeichnete Streibl als »die schönsten in ganz Bayern«. Den „Main-Wanderweg“ anerkannte er als vorbildlich, weil er sich nicht nur an Naturschönheit, sondern gleicherweise an den kulturellen Werten der Heimat orientiert[2]. Das sollte ein Maßstab für alle Wanderwege sein. Im Übrigen zeichne sich Nordbayern gegenüber Oberbayern, das mehr Anlaß zu unpopulären Maßnahmen gebe, durch bessere Luft, mehr Ruhe und weniger Lärm aus, weil es vom großen europäischen Durchgangsverkehr verschont bleibe. Umso mehr sei hier dem Erholungsbedürfnis in reizvoller Landschaft Rechnung zu tragen, dem Naherholung und Fremdenverkehr, die beide eine gegen schädliche Einflüsse gesicherte Umwelt voraussetzen, einander ergänzend zu dienen haben.

Bis zum Ende dieses Jahrzehnts werden in Bayern noch ca. 330 Quadratkilometer für Wohn-, Industrie-und Verkehrsbauten beansprucht[3]. Zur Abstimmung der vielfältigen Raumansprüche mit den Bedürfnissen von Fremdenverkehr und Naherholung bedarf es umso mehr einer vorausschauenden Raumordnung und Landesplanung.

 Eine umfassende Neuregelung des Naturschutzrechts bringt das neue Bayerische Naturschutzgesetz, das auch erstmals in der Bundesrepublik das Recht auf Erholung in der freien Natur regelt und den Zugang zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen Naturschönheiten sichert[4].

Als Synthese zwischen den Belangen des Landschaftsschutzes und den Erholungsansprüchen der Bevölkerung haben sich die Naturparke bewährt, erklärte Staatsminister Streibl. Ihre Zahl ist in Bayern von 11 im Jahre 1971 auf 17 im Jahre 1972 gestiegen, 1973 kommen zwei weitere hinzu. Für die Naturparke (ohne Ausnahme im nord- und nord-ostbayerischen Raum) wird das Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen auch in diesem und im nächsten Jahr Zuschüsse von zusammen rd. 5 Millionen DM bereitstellen. Allein nach Nordbayern sind seit 1970 öffentliche Mittel in Höhe von rd. 11 Millionen DM aus dem Programm »Freizeit und Erholung« geflossen. Diese Mittel werden sich in Zukunft noch erhöhen. Für 1973 und 1974 stehen im Rahmen des Programms voraussichtlich Förderungsmittel in Höhe von zusammen 100 Millionen DM zur Verfügung.                                    

W.U. (Werner Ungelenk)


[1] Max Streibl, 1932 – 1998; 1962 – 1994 Mitglied des bayerischen Landtages; 1972 erster Umweltminister in Bayern, ab 1977 Finanzminister; 1988 – 1993 Ministerpräsident

[2] Der Thüringerwald-Verein hat schon immer auf seinen Wanderungen diese Grundsätze beachtet.

[3] Ein früher Hinweis auch von Regierungsseite auf den fortschreitenden Landschaftsverbrauch, bis heute ein Problem geblieben.

[4] In Bayern Verfassungsgebot; Art. 141 der Verfassung von 1946; ab 1984 neu geefasst