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Die “Coburger Erker”, ein kleines Wappenbuch

Heraldik am Regierungs-Kanzleigebäude „Stadthaus“ in Coburg am Markt

von H.D.Bürger

 

Der heutige Betrachter dieses Bauwerks hat einen weniger prächtigen Anblick als etwa noch im 18. Jahrhundert. Damals waren  auf den  Fassadenflächen noch großflächige farbige Gemälde zu bewundern. Die hatten die Baumeister  Ende des 16. Jahrhunderts geschaffen. Immerhin sind wir heute besser dran als bis Ende der 70er Jahre, als alle Fassadenflächen noch einheitlich  grau überputzt war, eine Maßnahme zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

In den 80er Jahren des 20.Jhdts. ist das „Stadthaus“ dann umfassend renoviert worden. Indes konnten hierbei die erwähnten Gemälde an den großflächigen Gebäudefassaden  nicht mehr rekonstruiert werden, es fehlte an hinreichend genauen Abbildungen oder Beschreibungen. Dagegen sehr wohl die „Coburger Erker“ mit ihren Darstellungen von dekorativen und allegorischen Figuren und vor allem Wappen, wenn mir auch gewisse Abweichungen von der Beschreibung bei Lehfeldt-Voss um 1900 aufgefallen sind.

Als Herzog Johann Casimir im Jahre 1597 das Regierungs-Kanzleigebäude am Markt bauen ließ, währte die Regentschaft der Wettiner über die „Pflege Coburg“ bereits 244 Jahre. Diese Adelsdynastie war 1355 durch Erbfolge zur Herrschaft über einen großen Teil der Grafschaft Henneberg gelangt. Damals  waren die Wettiner „Markgrafen von Meißen“, dazu seit 1247 auch „Landgrafen von Thüringen“. Sie waren aber noch nicht „Herzöge von Sachsen“ oder gar Kurfürsten, noch waren dies  die Askanier. Das Haus Wettin wurde schließlich 1423 mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg belehnt und erzielten damit auch die Kurwürde als Reichserzmarschall. Die Wettiner übernahmen nicht nur das Herrschaftsgebiet, sondern auch das auch in der Altstadt Coburg allgegenwärtige Wappen „Sächsischer Rautenkranz“.

Für die Heraldik in Coburg – „Stadthaus“ - brachte diese Entwicklung:

die Henneberger Wappen

„redendes Wappen“: Henne auf Berghügel“,  (schwarz auf Gold),
sowie das „Colonna“-Wappen „silberne gekrönte Säule auf rotem Hintergrund“.

das Wappen der Markgrafschaft Meißen – schwarzer Löwe auf goldenem Hintergrund –

das Wappen der Landgrafschaft Thüringen – der „Bunte Löwe“

den „Sächsischen Rautenkranz“ – wie erwähnt, wettinisch wurde dieses Wappen erst ab 1423, also immerhin 60 Jahre, nachdem die Wettiner Coburg übernommen hatten.

Es wurden aber auch eine ganze Reihe von Territorien heraldisch verewigt, die zu keiner Zeit real  zu dem Machtbereich des Herzogs Johann Casimir gehört haben. Außerdem führte der Herzog von Coburg nicht als Einziger die am Stadthaus zu bewundernde Heraldik.  Wer die Wappen der ernestinischen Fürstentümer  betrachtet, wird immer wieder die gleichen  Bilder erkennen. Aber auch das Große Staatswappen des albertinischen Königreichs Sachsen  sieht dem Coburger zum Verwechseln ähnlich. Sogar im Großen Staatswappen des Königreichs Preußen ab 1871 erkennen wir manches wieder.    Beispielsweise taucht Henneberg hier auf, denn   Erfurt, Schleusingen, Suhl  und Schmalkalden gehörten zu Preußen, noch bis 1945.
Besonders vielfältig vertreten ist der „Bunte Löwe“  in  den Ländern Thüringen und Hessen.  Hier lässt sich eine fast ununterbrochene Kontinuität übe alle Regierungsformen vom Mittelalter bis hin zur Gegenwart nachweisen.

Zu alldem werden hier – auf der Regierungskanzlei -  einige Wappen gezeigt, die lediglich „Ansprüche“ demonstrieren sollen. Erbansprüche wurden aus irgendwelchen echten oder vermeintlichen  Gründen erhoben, dies blieb aber erfolglos. Hierzu gehören vor allem die übrigens recht stattlichen Territorien, welche Gegenstand für den Erbfolgestreit „Jülich-Cleve-Berg“ ab 1609 sind. Eindeutig zu identifizieren sind hier das Herzogtum Kleve („Klevenrad bzw. Lilienszepterkreuz “) sowie die Grafschaft Ravensberg (Sparren), dazu sehr wahrscheinlich, wenn auch nicht ganz richtig wiedergegeben, die Grafschaft Mark (geschachte Balken, müssten 3 x 7 = 21 Felder sein) sowie möglicherweise auch das Herzogtum  Jülich (schwarzer Löwe auf Gold,  ähnlich dem Meißener Wappen, dieses sollte aber eigentlich einen doppelten Schweif haben). Herzog Johann Casimir hatte sich heftig um das vermeintliche Erbe bemüht, auch die Albertiner, aber beide vergeblich. Erfolg hatten die schon damals mächtigsten Dynastien im Deutschen Reich nach den Habsburgern, die Hohenzollern (Kleve,  Mark, Ravensberg und Ravenstein) und die Wittelsbacher (Jülich und Berg).

Allenfalls nominelle Ansprüche und Titel bestanden zu  mehreren Gebieten in den heutigen Ländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt:

Burggrafschaft Altenburg, Herrschaft Eisenberg, Grafschaft Brehna, Grafschaft Landsberg, Herrschaft Pleißen, Grafschaft Orlamünde.

Auch diese Wappen tauchen immer wieder bei anderen Staaten in den Großen Staatswappen der damaligen Geschichtsperiode auf. Sie sind bis heute aktuell und finden sich in den modernen Wappen der Städte, Gemeinden und Kreise in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Grafschaft Landsberg: Die „Landsberger Pfähle“ – zwei blaue Pfähle auf Goldgrund – finden sich u. a. in den Wappen der Städte Chemnitz und Leipzig sowie der Landkreise Bad Düben und Delitzsch. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld zeigt in seinem Wappen u. a. die drei „Seeblätter“ der Grafschaft Brehna, ebenso die Stadt Bitterfeld-Wolfen. Übrigens sieht das Wappen des Herzogtums Engern ebenso aus, die Coburger Herzöge bezeichneten sich auch als „Herzöge von Engern und Westfalen“.

„Grafschaft  Eisenberg“ – Eisenberg gilt als die kleinste Residenz in Thüringen, diese Episode war jedoch später – 1680 – 1707, damals stand die Coburger Regierungskanzlei schon längst. Das Wappen drei blaue Balken auf weiß-silbernem Grund. Es scheint eines der wenigen zu sein, dass heute nicht mehr verwendet wird, die Stadt Eisenberg jedenfalls hat ein anderes Wappen. Von 1826 bis 1918 gehörte Eisenberg zum Herzogtum Sachsen-Altenburg - zu dessen “West-Kreis”.

Grafschaft Orlamünde

Wo das Flüsschen Orla in die Saale mündet, liegt die Gemeinde Orlamünde, Name auch eines Uradelsgeschlechts, das einst weithin verzweigt war, sich aber im thüringischen Zweig den Wettinern unterwarf. Wappen: schwarzer Löwe auf Gold, der Gold-Hintergrund ist mit roten Herzen bestreut. Bis heute geführt vom thüringischen Saale-Holzland-Kreis, vom Landkreis Kronach (ehemaliges „Amt Lauenstein“) und von der Gemeinde Orlamünde.

Herrschaft Pleißen

Ein wirklich optisch sehr attraktives Wappen, dieser in gold und silber geteilte Löwe auf blauem Hintergrund. Der Name kommt vom Fluss Pleiße, der aus dem westlichen Erzgebirge kommt und bei Leipzig in die Weiße Elster mündet. Unter anderem gehört Altenburg und Chemnitz dazu. Das Pleißenland war im Mittelalter Reichsland, das dem Kaiser direkt unterstand. Seit 1243 allerdings ging dieses Territorium aber dauerhaft an die Wettiner.

Ein enger Zusammenhang bestand auch zwischen der Burggrafschaft Altenburg und der Herrschaft Pleißen. Die Burggrafschaft Altenburg fiel 1323 – 1329 an die Wettiner (vgl. als grundlegende Arbeit hierzu André Thieme: „Die Burggrafschaft Altenburg, Studien zu Amt und Herrschaft im Übergang vom hohen zum späten Mittelalter“, Leipzig 2001). Das heraldische Symbol für die Burggrafschaft Altenburg war die Rose, ähnlich wie die sechs Rosen der Herren von Rosenau.