Im 2. Burghof der Wartburg

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Durch dräuende Drachen wallfahren zur Wartburg

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C. Kühn, Eisenach in: “Thüringen in Wort und Bild”, Berlin 1900

So beginnt im typischen Stil jener Zeit nicht nur der Artikel über die Wartburg, sondern der 1. Band überhaupt. Also hat die Wartburg schon damals den hohen Stellenwert innegehabt. Keine Überraschung: die Buchdeckel beider Bände von “Thüringen in Wort und Bild” zeien die Wartburg.
Bekanntlich ist der Thüringerwald-Verein im Jahre 1880 in Eisenach gegründet worden. Es liegt nahe, dass die seit 1893 erschienenen “Thüringer Monatsblätter” ebenfalls auf der Titel-Vignette die Wartburg zeigen.

Immerhin 42 erwartungsfrohe Wanderer bestiegen am Sonntag, 19. Juli den Reisebus in Richtung Eisenach. Nach Meiningen, schon tief im Thüringerwald, begann es ganz heftig zu regnen. Das verhieß zunächst nichts Gutes. Endlich erreichten wir das Ziel, den Parkplatz beim ehemaligen Gasthof „Hohe Sonne“. Älteren Wanderern war dieser Ort wohl  vertraut. Schon 1990, also kurz nach der „Wende“, wanderten wir von der „Grenzwiese“ am „Inselberg“ auf dem Rennsteig bis zur „Hohen Sonne“. Wfr. war Günther Völk. Schon damals hatte der Blick von der „Hohen Sonne“ zur Wartburg beeindruckt. Eisenach und die Wartburg hatten für den Thüringerwald-Verein seit jeher besondere Bedeutung.  Ebenfalls  schon 1990 waren wir in Eisenach zu einer Wanderung am „Kräutersonntag“ aus der Stadt hinauf zum Hörselberg. Auf der Wartburg sowie in der Stadt hielten wir uns dann später anlässlich des Thüringer Wandertages 2002 auf.
Der Regen hatte inzwischen aufgehört. Bis auf 4 entstiegen alle dem Bus, um sich auf den Weg durch die Drachenschlucht zumachen.
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Nun berichtet Wfr. Helmut Völk.

Im Norden ragt die Wartburg aus dem Dunst, unser Ziel für heute. Der Weg dahin ist einzigartig, denn er führt durch die Drachenschlucht. Tief eingeschnitten durch einen unscheinbaren Bach, begrenzt von tropfenden, bemoosten Felswänden, zieht er sich nach Norden hin, stellenweise zu eng für stattliche Menschen und Regenschirme. Gegenverkehr ist nicht möglich!

Nassgetropft, aber begeistert steigen wir anschließend Richtung Sängerwiese auf, wo große Kuchenstücke, schlammige Biker und ein fertiges Spanferkel auf uns warten. Dann geht es weiter auf der Höhe, durch naturbelassene Wälder, mit herrlichen Ausblicken auf unser Ziel. Zusammen mit Touristen aus der ganzen Welt erkunden wir die Innenhöfe; auch die Nichtwanderer sind inzwischen eingetroffen.

Diese hatte es  direkt zur Wartburg gezogen
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. Kurz vor 10 Uhr erreichten diese ihr Ziel.

Anfangs war das Wetter noch eher trüb, und recht verloren saß ein Harmonikaspieler kurz vor dem Eingang. Wir hatten nun dreieinhalb Stunden Zeit, bis die Hauptgruppe eintreffen würde. Die Zeit wurde keineswegs lang, auch wenn keine Führung durch die Burg anstand. Der Andrang an Besuchern war zunächst vergleichsweise gering, was wohl auch dem anfangs noch ungünstigem Wetter geschuldet war. Doch bald klarte es auf und gab eine prächtige Nah- und Fernsicht preis. Auf dem „Pfad der Tugend“ wurde diese mythenbeladene und symbolträchtige  Burganlage umrundet.

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Eine Rekonstruktion ist ganz sicher diese Schmiede

Es ist aber ähnlich wie bei unserer Veste: vieles vermeintlich mittelalterliche ist in Wirklichkeit erst beim Wiederaufbau im 19. Bis 20. Jhdt. entstanden. Der gleiche Baumeister Bodo Ebhardt, der auf der Veste Coburg  für Carl Eduard tätig war, errichtete auch das Burghotel bei der Wartburg.

 
Programmgemäß traf die Hauptgruppe auf der Wartburg ein, und nach kurzem Verweilen   trat man die Weg in die Stadt ein. Inzwischen  hatte sich der Himmel wieder bewölkt.  Die Schlusseinkehr dieses Tages war im Gasthaus „Zum Storchenturm“ angesetzt. Uns erwartete weit mehr als die Versorgung mit Speisen und Getränken. Der Wirt erwies sich vielmehr als gewichtiger Vortragskünstler, der uns mit Geschichte, Geschichten und Anekdoten über Eisenach und die Wartburg unterhielt. Diese besondere Leistung war dem Ort geschuldet, diese Gaststätte gehört zum Bestand des historischen, sagenumwobenen „Hellgrevenhof“, dem ältesten Gebäude der Stadt.
Abschluss und Höhepunkt war der Abstieg in das Kellergewölbe des Storchenturms, das zu einem Theater ganz besonderer Art ausgebaut war.

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Kann ein solch außergewöhnlicher Tag in banaler Normalität enden? Mitnichten!, ruft der Chronist enschlossen. Wir wollten gerade gehen, da brauten sich Wolken am Himmel zusammen. Als wir zum Bus gingen, fing es richtig an zu schütten, was sich nach dem Start zur Rückfahrt nochmals zum Wolkenbruch steigerte. Schon mussten wir befürchten, in Eisenach von den Wassermassen eingeschlossen zu werden.  Aber der Busfahrer schaffte es, aus der Stadt zu entkommen. Während der Fahrt über Unterfranken stieg die Außentemperatur nochmals von 18 auf 26 Grad!