Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1972

 

Eine schier unglaubliche Bandbreite deckt das Programm unseres Vereins und natürlich die gesamte Wander-Organisation ab. Schon 1972 befasste man sich mit der Frage der Wasserversorg und dem Wert des Wassers als natürliche Lebensgrundlage. Anlass dafür war eine am 6. Mai 1968 verkündete europäische Wasser-Charta. Inzwischen wird alljährlich am 22. März der UN- „world water day“ begangen.

 Helft die Not des Natürlichen bannen!

Wasser - Blut der Landschaft

 Gedankenlosigkeit und mangelndes Verantwortungsbewusstsein gehören zu den Untugenden, die den wohlstandssüchtigen Menschen mit der Schuld belasten, das Natürliche mehr und mehr in Not geraten zu lassen. Ein täglich wahrzunehmendes Beispiel hierfür sind die Abfälle, die unüberlegt in die Landschaft und mit Vorliebe in stehende oder fließende Gewässer geworfen werden und das »Blut der Landschaft« vergiften, das unser aller Existenzgrundlage ist. Denn dieses Geschenk der Natur ist als Lebensquell allen Wachstums, als Nahrungsmittel, für die Hygiene, als Rohstoff, Energiequelle oder Transportweg und als Grundlage für die daseinserhaltende Erholung gleichermaßen unentbehrlich.

Wer macht sich schon Gedanken über den zunehmenden Gebrauchswert des Wassers? Wer weiß überhaupt, daß sich der tägliche Wasserbedarf pro Kopf unserer Bevölkerung in den letzten 50 Jahren von 100 auf 350 Liter gesteigert hat? Wer - beispielsweise - denkt beim köstlichen Genuss eines Liter Biers darüber nach, daß zu seiner Herstellung 25 Liter reinen Wassers notwendig sind? Wer ahnt wohl, daß 600 Liter unverfälschtes Wasser gebraucht werden, um 1 kg Papier zu produzieren? Und wen kümmern noch die Chemikalien und Bazillen, die durch Abwässer in Grundwasser und Flüsse gelangen und von dort her Pflanzen ruinieren, Fische vernichten und direkt oder indirekt die Gesundheit des Menschen schädigen? Was wissen wir eigentlich von der zunehmenden Abwertung der Naturschätze, unter denen dem Wasser eine für Mensch und Tier gleichermaßen lebenswichtige Rolle zukommt?

 Zum Nachdenken und zur Einsicht gemahnend, verweist Verbandspräsident Georg Fahrbach auf die am 6. Mai 1968 verkündete europäische Wasser-Charta. Er schreibt hierzu: »Das war ein wichtiger Akt, der ganz und gar im Sinne unserer Naturschutzbestrebungen liegt und der ganzen Menschheit dienlich sein wird. Darum müssen und wollen wir uns aus der Satzung dieser Charta vor allem die folgenden markanten Sätze einprägen und für unser Sein und Tun beherzigen:

 Ohne Wasser gibt es kein Leben; Wasser ist ein kostbares, für den Menschen unentbehrliches Gut.

 Die Vorräte an gutem Wasser sind nicht unerschöpflich. Deshalb wird es immer dringender, sie zu erhalten, sparsam damit umzugehen und, wo immer möglich, sie zu vermehren. Wasser verschmutzen heißt, den Menschen und allen anderen Lebewesen Schaden zufügen. Die Qualität des Wassers muß den Anforderungen der Volksgesundheit entsprechen  und die vorgesehene Nutzung gewährleisten.

 Verwendetes Wasser ist den Gewässern in einem Zustand wieder zurückzuführen, der ihre weitere Nutzung für den öffentlichen wie für den privaten Gebrauch nicht beeinträchtigt. Für die Erhaltung der Wasservorkommen spielt die Pflanzendecke, insbesondere der Wald, eine wesentliche Rolle.

Der Schutz des Wassers erfordert verstärkte wissenschaftliche Forschung, Ausbildung von Fachleuten und Aufklärung der Öffentlichkeit.

Jeder Mensch hat die Pflicht, zum Wohl der Allgemeinheit Wasser sparsam und mit Sorgfalt zu verwenden.

 Wasserwirtschaftliche Planungen sollten sich weniger nach den verwaltungstechnischen und politischen Grenzen als nach den natürlichen Wassereinzugsgebieten ausrichten. Das Wasser kennt keine Staatsgrenzen; es verlangt eine internationale Zusammenarbeit.

Wir freuen uns über diese „Thesen", die man überall anschlagen und allen, die irgendwo mit Wasser zu tun haben, zugänglich machen sollte. Der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. danken wir für ihren Anteil an der „Wasser-Charta".

 Die Gewässerverschmutzung in Europa - besonders auch in Deutschland - nimmt immer noch zu; der Rhein und manche andere Flüsse gleichen bald stinkenden Kloaken, in denen kein Tier mehr leben kann und die der Mensch meiden muß. Auch daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer vorsorglichen Bewirtschaftung der Wasserreserven und einer Wasserpolitik nicht des einzelnen Landes sondern auf europäischer Ebene. Was für Europa gilt, wird bald auch für die anderen Erdteile gelten. «