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Es war sein Werk und bleibt sein Werk

Werner Ungelenk und „Das Farnkraut“

Ohne ihn hätte es unsere Vereinszeitschrift „Das Farnkraut“ nie gegeben. Am 3. Mai 1963 begann der 64. Deutsche Wandertag in Coburg. Aus diesem Anlaß wurde die Vereinszeitschrift „Das Farnkraut“ aus der Taufe gehoben, vermutlich erschien die erste Ausgabe kurze Zeit vor dem genannten Datum.

Initiator und Motor war der Berufsjournalist Werner Ungelenk. Seine Leistung konnte ich erst jetzt voll ermessen. Zum 50. Jahrgang hatte ich vor, ausgewählte Artikel aus den ersten Jahren zu digitalisieren und auf unserer Homepage www.farnkraut-coburg.de ins Netz zu stellen. Erst als ich schon mitten drin war, ging mir auf, welche große Vielfalt sich hier aufgetan hatte. Beiträge nicht nur über Wanderwege und Wanderungen, sondern die ganze Vielfalt der satzungsgemäßen Zwecke und Aufgaben unseres Vereins: Wandern – Heimatpflege – Naturschutz. All diese Themen hat Werner Ungelenk bedient – teils durch eigene Beiträge, teils durch die Zuarbeit fachkundiger Autoren. Die Einträge in unsere Homepage wurden umfangreicher, als ich mir so gedacht hatte.

Dabei schaute er stets über den Tellerrand. Größte Aufmerksamkeit fand das Geschehen in unserem Dachverband und auf den alljährlichen Deutschen Wandertagen. Einer der kleinsten Verbandvereine stellte einen der größten Chronisten des damals „ Verband der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine“ genannten Verbands. Auch bei den Themen „Heimatpflege“ und „Umweltschutz“ blickte er stets über die Landkreisgrenzen hinaus – besonders aber einmal über die damalige Zonengrenze nach Thüringen, aber auch nach Königsberg i. Bay. Regelmäßig erschien „Wissenswertes aus Thüringen“, und Königsberg war ihm ohnehin so etwas wie die 2. Heimat. Ohnehin wurde damals der „Amtsbotenweg“ erschlossen, was die Beziehungen der Stadt Coburg zu ihrer einstigen Exklave damals intensiviert hat.

Werner Ungelenk wurde am  8. Dezember  1908 in Coburg geboren. Dort verbrachte er auch seine Schulzeit. Prägend blieb für ihn das Gymnasium Casimirianum, das er 1928 mit dem Abitur abschloss. Über die Schülerverbindung „Casimiriana“ blieb er zeitlebens mit diesem traditionsreichen Bildungsinstitut verbunden. Nach der Schulzeit strebte er den Beruf eines Journalisten an und volontierte bei verschiedenen Zeitungen in Jena.
Sein Berufsweg führte den Lokalredakteur in Jena als Verantwortlichen Provinz- und Sportredakteur nach Weimar, als Chef vom Dienst an den „Altenburger Beobachter" und schließlich als Chefredakteur ans „Weißenfelder Tageblatt" (Zitat aus einem Nachruf in der Coburger Lokalpresse) 
Nach dem Krieg schlug er sich zunächst in verschiedenen Tätigkeiten durch und geriet  1948 für ein Jahr in sowjetzonale Haft.
Im Westen fand er an das „Coburger Tageblatt“, zunächst als freier Mitarbeiter, dann als Vollredakteur.

Werner Ungelenk war ein feinsinniger Mensch. Er besaß eine seltene Gabe, für die er geschätzt war und um die er in Kollegenkreisen gleichermaßen beneidet wurde: „W. U.“ konnte seine journalistischen Artikel auch in Gedichtform fassen. Das tat er sehr gerne. Noch vor wenigen Jahren schrieb er unter dem Pseudonym „Tageblatt-Mohr" heiter-kritische Beiträge, er glossierte und kommentierte das Lokalgeschehen.

Die „Königsberger Ecke" ist seine Einrichtung. In ihr sah er eine Klammer zwischen der ehemaligen Exklave des früheren Herzogtums zu Coburg (Zitat aus einem Nachruf, verfasst von Host Mitzel).

Dabei hatte diese  „Königsberger Ecke“ einen doppelten Sinn – damals eine so bezeichnete Zeitungskolumne, aber auch ein Tisch in einer Coburger Traditionsgaststätte.

Für den Thüringerwald-Verein, aber auch den Rennsteigverein, war er immer so etwas wie ein Mentor. Anlässlich des 64. Deutschen Wandertags im Jahre 1963 kam es dann zur Gründung unserer Vereinszeitschrift „Das Farnkraut“.  Sein Anschub von 1963 reichte für nunmehr 50 Jahrgänge.

Im Jahre 1972 endete die Tätigkeit als Vollzeit-Journalist, nicht zuletzt auch aus Gesundheitsgründen. Doch weiterhin schonte er sich nicht. Endgültig konnte er die Arbeit am „Farnkraut“ erst 1981 abgeben, um dann nochmals für die 75-Jahres-Jubiläumsausgabe 1982 da zu sein. Gerne in die Hand genommen werden auch heute noch seine „Wanderführer Coburg und Umgebung“, die er im Auftrag des Verkehrsvereins Coburg herausbrachte  (2. Aufl. 1982).
Unermüdlich arbeitete er auch am Archiv des Thüringerwald-Vereins, eine Funktion, die niemand imstande war, sie adäquat fortzuführen.
Bei unseren Versammlungen war er stets eifriger und gelegentlich streitbarer, aber immer unserer Sache, unseren Zielen  verpflichteter Teilnehmer.

Am 4. Oktober  1987.endete sein Lebenslauf. Durch die überwältigende Teilnahme an der Trauerfeier konnten wir nur unvollkommen ausdrücken, was er uns bedeutet hat.  Mich selbst hat er an die Aufgabe seines Nachfolgers herangeführt. Dass ich das einigermaßen hinkriegen kann, hat er vielleicht besser erkannt als ich selber. Dass so ein Heft heute vom ersten bis zum letzten Pixel am Computer entstehen würde, konnte er nicht ahnen.

H.D.Bürger

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