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Wertschätzung von Werken des Historismus

Nach wie vor kompetent ist das 1906 erschienene Standartwerk von Lehfeldt-Voss; „Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens“, hier der Band 32: „Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha“. Einzelne Hinweise zeigen auf, dass auch tatsächlich die redaktionelle Bearbeitung bis in dieses Jahr reicht, so etwa die Einleitung „Geschichte der Stadt“ von Riemann oder Hinweise auf Zeichnungen von Emil Maurer.

Im folgenden wörtliche Zitate der Ausführungen in damaliger Schreibweise. Zum Umfange wäre anzumerken, dass Lehfeldt-Voss beispielsweise für St. Moriz einschließlich der zugehörigen Kunstwerke 41 Seiten verwendet, für Heiligkreuz immerhin noch gut 4 Seiten.

 

Hoftheater.

 

Der Bau wurde im Jahre 1837 vom Baumeister Harras begonnen. Dieser baute den vorderen Theil, die übrigen Theile der Baurath Fischer-Birnbaum. Die feierliche Eröffnung fand am 17. September 1840 mit der Oper „Feensee" am Geburtstag der Herzogin Marie statt. Eine Erweiterung des Baues nach dem „Schlösschen" zu fand im Jahre 1847 statt. Im Jahre 1857 wurden die Logen erweitert und die Prosceniumslogen errichtet. Das Theater steht auf der Stelle der ehemaligen Stahlhütte, die zuletzt als Waisenhaus diente. Die tiefen Keller der Stahlhütte sind bei dem Bau des Theaters für die Anlage der Versenkung benutzt. (Siehe die Stahlhütte weiter unten.)

Litteratur: Beissenweber, Das Bundauge, S. 111. — Weddigen, Geschichte der Theater Deutschlands, 1905.

 

Die Reithalle

neben den Hofarcaden, erbaut um die Mitte des 19. Jahrhunderts. In derselben fanden im Jahre 1860 die Sitzungen des Nationalvereins statt, dessen Ausschuss seinen Sitz in Coburg hatte

 

Katholische Kirche des heiligen Augustinus .

Die Kirche ist 1855—60 vom Baurath Fischer-Birnbaum in gothischem Stil erbaut. Darin Gruftbau 1885 vom Schlosshauptmann Rothbart, reich. Darin (Doppel-)Sarkophag des Prinzen August, + 1881 (Sohn des Herzogs Ernst I. und Vater des Fürsten von Bulgarien) und seines Enkels Joseph, + 1888 (Sohn von Augusts gleichnamigem Sohn) mit des Prinzen August Figur auf dem Deckel, von Anne Millet in Paris. Grabstätte der Prinzessin Leopoldine von Brasilien (Gattin des Vaters vom Prinzen Joseph), + 1871. — Wittmann, Coburg, S. 24.

Gefässe und Geräthe neu. Glocken (nach Mittheilungen des Herrn G. Schumann).

1) Laut Inschrift unter Herzog Ernst II. und dem Erzbischof von Bamberg Mich, von Deinlein wohl von Lotter gegossen. 2) und 3) 1860 bezw. 1880 von Lotter in Bamberg gegossen.

Anm. Ch. Lotter war eine bis in die 50er Jahre in Bamberg nachweisbare Glockengießerei

 

Es fällt auf, dass jede nähere Beschreibung oder gar künstlerische Würdigung fehlt.

 

Von den Gebäuden aus der Zeit des Stadtbaumeisters Julius Martinet (1859 – 1898) ist lediglich das Kriegerdenkmal am Ernstplatz erwähnt, nicht seine von ihm selbst entworfenen (z. B. Lutherschule, Forst- und Domänenamt, Alte Angerturnhalle ) oder die in seiner Amtszeit von anderen Architekten (z. B. Ernstplatz 1 – 3). Da nimmt es nicht wunder, dass auch das erste größere Werk aus der Ära Max Böhme, das 1903 errichtete Direktionsgebäude der E-Werke an der Bamberger Straße, natürlich fehlt.

 

Andere Autoren gehen noch weiter. In den 30er Jahren erschien in Bamberg beim Verlagshaus Meisenbach & Co die Reihe „Kleine Bamberger Bücher“. Das wohl bemerkenswerteste aus dieser Reihe war von einem Michel Hofmann: „Vom Wachstum Bambergs“.

Kernstück darin war die kolorierte Reproduktion des 1602 erschienen „Zweidlerschen Planes“, einer Stadtansicht, die man vielleicht mit einem heutigen  Satellitenbild vergleichen könnte. Dazu auf Transparentpapier ein, wie wir  sagen würden, „overlay“ mit den Straßenzügen der Erscheinungszeit. Insoweit sicher ein Meisterwerk dieses Autors, ein bleibender Verdienst.

In knapper Weise wird auch die Baugeschichte der Stadt Bamberg wiedergegeben, darunter natürlich auch die Zeit nach 1800. Demnach tat sich nach Säkularisation und dem Anschluss an Bayern zunächst wenig. Dafür umso mehr in der Zeit nach 1871.

Ganze Stadtviertel wurden damals in einem beispiellosen Bauboom hochgezogen. Aber wie: Für Michel Hofmann entstanden „protzig und hohl wirkende Neubauten“, deren Urheber der „Himmel noch in ihren Gräbern züchtigen möge“. Da ist von „gottverlassenen Baustümpern von der Gründerzeit bis über den Jugendstil hinaus“ die Rede, von „betrüblichsten Jahrzehnten deutscher Bau-Unkultur“.

Woher der Wind weht, wird gegen Ende dieser Ausführungen deutlich: Der „heimatfremde Historismus der Gründerzeit“, der „Jugendstil“ und die „Moderne“ seien „verklungen und begraben“… Geschmackvollere Häuser mit gesundem (!) Baukörper und mit „edlen Verhältnissen“ entstehen…..

Übrigens ging man auch später nicht besser mit Baudenkmälern dieser Zeit in Bamberg um. Zwei Meisterwerke des Jugendstils, Erlweins chirurgisches Krankenhaus und das städt. Elektrizitätswerk, sollten noch in den 70er Jahren abgerissen werden und nur energischer Protest aus der Bevölkerung verhinderte dies.