Von Werraquelle zu Werraquelle wollte eine stattliche Wandergruppe des Thüringerwald-Vereins Coburg am 7. Juni 2015 wandern. Hannelore und Rudolf Hartmann hatten dieses Unternehmen vorbereitet. Als wir gegen 10 Uhr  am Vormittag bei Siegmundsburg den beiden Kleinbussen entstiegen, war es im Vergleich zum Vortag noch recht kühl, zumal hier in immerhin 800 m Seehöhe.  Nach wenigen Metern war die östliche Werraquelle erreicht. In der historischen Rennsteigkarte von 1913 wird diese Stelle noch als “Saar-Quelle” bezeichnet.  Diese Saar ist einer der beiden Quellbäche, die sich bei Eisfeld vereinigen.  Die Problematik der beiden “konkurrierenden” Werra-Quellen war bereits Thema bei einem Waldabend: Waldabend Oktober (Vortrag Semm).

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Die Coburger Wanderer am 7. Juni 2015 vor der Siegmundsburger  Werra (eig. Saar-) - Quelle. Zum Streit um den Standort der Werra-Quellen siehe die Anmerkungen unten )***

Wir wanderten nun eine Teilstrecke auf der Fahrstraße, bis wir nach wenigen hundert Metern auf den Rennsteig in die linke - westliche - Richtung abbogen.

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Dieser Weg ist gesäumt von den typischen Wappensteinen. Jahrhunderte lang war der Rennsteig hier Grenze zwischen den verschiedenen kleinen Fürstentümern. Auf der Betrachter-Seite hier  in diesem Beispiel das Sächsische Rautenkranzwappen, welches von den ernestinischen Herzogtümer  geführt worden ist.  Bei Siegmundsburg verlief einst die Grenze zwischen Sachsen-Meiningen und Schwarzburg-Rudolstadt.

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Bald hatten wir den Weiler Friedrichshöhe erreicht - benannt nach einem Herzog von Sachsen-Hildburghausen . Die Saline Friedrichshall bei Heldburg hatte den gleichen Namensgeber. Vor 1826 gehörten diese Gebiete zum Herzogtum Sachsen-Hildburghausen, danach zu Sachsen-Meiningen. Dieser Bereich um den Ort Friedrichshöhe ist der einzige in der näheren Umgebung am Rennsteig, der freien Blick  nach Süden zur Bleßbergregion zulässt.  Bald war die  Pechleite erreicht, mit 839 m der höchste Punkt auf dieser Tour. Der Abstieg zum Großen und Kleinen Sauberg war wegen des vielen Gerölls etwas beschwerlich. Ein nächster markanter Punkt  ist die  Eisfelder Ausspanne. Hier treffen sich mehrere  historische Straßen und Wege .

Eisfelder Ausspanne
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Diesen eindrucksvollen Naturdenkmal begegneten wir auf dem weiteren  Weg, zunächst  noch auf dem Rennsteig in Richtung Masserberg. An der “Hohen Heide” - 831 m -  mit dem  historischen Dreiherrenstein  (diesmal ein schlichter Dreikantstein). Einst stießen hier im Süden Sachsen-Meiningen, im Nordwesten Schwarzburg-Sondershausen und im Nordwesten Schwarzburg-Rudolstadt aneinander. Nun  war es  noch ein kurzer Abstieg zu der Werraquelle bei Fehrenbach. Dort endlich die längst herbeigesehnte Mittagseinkehr.

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Die “Fehrenbacher” Werra-Quelle am 7. Juni 2015. Die gemauerte Fassung stammt aus dem Jahre 1898,  benannt nach Forstmeister Georg Schröder, ausgeführt von Maurermeister  Traut.  Besitzer der Quellfassung war damals der Thüringerwald-Verein Fehrenbach.

Mit dieser Mittagseinkehr an der Werra-Quelle waren wir alle sehr zufrieden, auch mit den Wetterbedingungen, denn wer wollte, konnte  sein Mittagessen auch  “außen” einnehmen.
Bald aber sammelten sich wieder alle, um die letzte Etappe des heutigen Tages  durch die “Fehrenbacher Schweiz” hinunter nach Fehrenbach zurückzulegen. Unterwegs erwartete uns zunächst eine Überraschung. Der Wanderweg erwies sich als Hindernislauf, Ergebnis von Baumfällarbeiten, die vermutlich erst am Vortag ausgeführt worden waren. 
Aber so geübte und trittfeste Wanderer überstehen auch einen solchen “Hindernislauf” unfallfrei.
Dafür war die herrliche Landschaft der “Fehrenbacher Schweiz”, die wir dann erleben konnten, eine Entschädigung. In der Tat fühlen wir uns wie in das Hochgebirge versetzt....

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Der Wanderweg endet an der Fahrstraße Fehrenbach - Masserberg. In  Fehrenbach beeindruckten uns die zahlreichen blühenden Rhododendren in den Gärten.  Es war noch früh am Tage, als  uns die beiden Kleinbusse nach Coburg zurückbrachten und somit dieser Wandertag endete.  Dank  dem Wanderführer-Paar Hannelore und Rudolf Hartmann.

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)*** In seinem Buch “des Rennsteigs steinerne Chronik”, Zeitz 1929 widmete der  Rennsteig-Forscher Johannes Bühring (1858-1937) ein ganzes Kapitel dem “Krieg um die Werraquellen”. Zunächst legt er aber dar, dass “Werra” und “Weser” gleichen Namensursprungs seien. Schon Strabo, Plinius und Tacitus hätten demnach diesen Fluß  erwähnt als “Bisurgis”, “Visurgis”, woraus im Mittelalter “Wisera” “Wirraha” und schließlich seit 1327 Werra geworden seien.
Im weiteren Verlauf verweist Johannes Bühring auf einen weiteren bedeutenden Rennsteig-Forscher, nämlich Ludwig Hertel (1856 - 1910). Dieser  hatte sich in seiner “Landeskunde des Herzogtums Sachsen-Meiningen”, erschienen  in Hildburghausen 1902, für die westlich gelegene Quelle am Zeupelsberg, also bei Fehrenbach als den wahren Ursprung der Werra entschieden. Hertel verweist aber auch auf eine  bereits 1666 erschienene Untersuchung “Eisfelder Amtsbeschreibung” sowie das  “Amtlichen Weserwerk” von H. Keller . Lt. beiden Quellen seien die Saarquelle bei Siegmundsburg und die Werraquelle bei Fehrenbach gleichberechtigt. Daraufhin unternahmen die Thüringerwald-Vereine Steinheid, Limbach, Siegmundsburg und Alsbach die Fassung der Saar-Quelle und weihten das Bauwerk feierlich im August 1910  als die “wahre Werraquelle” ein. Natürlich entfachte dieser Vorgang erst recht den Streit, der sich auch noch nach dem I. Weltkrieg fortsetzte. Die Eskalation gipfelte in einem Zerstörungsakt auf die Siegmundsburer Quelle im Aug. 1926.
Im Juni 2015 flossen beide Quellen recht spärlich, sodass hier nicht zu entscheiden war, welche die “nasse” und welche die “trockene” Quelle sei.